Sterbegeldversicherung — sinnvoll oder nicht?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Eine Sterbegeldversicherung zahlt nach deinem Tod einen festen Betrag, meist für die Bestattung. Sie ist sinnvoll, wenn du deine Angehörigen entlasten willst, aber keine Rücklage aufbauen kannst oder willst. Wer genug Erspartes hat, braucht sie oft nicht. Achte auf Wartezeit, Beitragsdauer und darauf, dass du nicht mehr einzahlst, als später ausgezahlt wird.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Zahlt eine feste Summe im Todesfall, egal wann du stirbst, meist lebenslang.
- Die gesetzliche Krankenkasse zahlt kein Sterbegeld mehr.
- Eine Bestattung kostet schnell mehrere Tausend Euro.
- Wartezeit: In den ersten Jahren gibt es oft nur die eingezahlten Beiträge zurück, bei Unfalltod meist die volle Summe.
- Lange Beitragsdauer kann dazu führen, dass du mehr zahlst, als ausgezahlt wird.
- Alternative: eine eigene Rücklage, wenn du sie konsequent aufbauen kannst.
👉 So solltest du vorgehen
- Überleg, was die Bestattung kosten soll und was schon da ist: Erspartes, Lebensversicherung, andere Verträge.
- Fehlt Geld und willst du keine Rücklage bilden, rechne Beitrag mal Beitragsjahre gegen die Summe.
- Dann Wartezeit, Beitragsdauer und Bezugsrecht festlegen und erst danach abschließen.
Was ist eine Sterbegeldversicherung?
Eine kleine Lebensversicherung, die im Todesfall eine feste Summe auszahlt. Sie ist dafür gedacht, die Kosten der Bestattung und alles, was dazugehört, abzudecken.
Lebenslanger Schutz
Anders als die Risikolebensversicherung läuft sie meist bis zum Tod. Solange der Vertrag läuft, wird die Summe also ausgezahlt, die Frage ist nur wann.
Kleine Summen
Die Versicherungssummen sind überschaubar und auf Bestattungskosten ausgelegt, nicht auf die Versorgung einer Familie. Dafür ist die Risikolebensversicherung da.
Einfacher Abschluss
Oft ohne oder mit wenigen Gesundheitsfragen, dafür mit Wartezeit.
Was kostet eine Bestattung?
Schnell mehrere Tausend Euro, bei einer aufwendigeren Beerdigung auch deutlich mehr. Und dieses Geld wird sofort gebraucht.
Was dazugehört
Bestatter, Sarg oder Urne, Friedhofsgebühren und Grabstelle, Trauerfeier, Grabstein, Grabpflege, Traueranzeige. Die Friedhofsgebühren unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde stark.
Wer zahlt
Grundsätzlich die Erben. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt kein Sterbegeld mehr. Können die Verpflichteten die Kosten nicht tragen, kann das Sozialamt einspringen, dann aber nur für eine einfache Bestattung.
Warum das belastet
Die Rechnungen kommen in den ersten Wochen, während die Familie trauert und das Erbe oft noch gar nicht verfügbar ist.
Ist eine Sterbegeldversicherung sinnvoll?
Für manche ja, für viele nicht. Es kommt darauf an, ob du das Geld auch anders bereitstellen kannst.
Sinnvoll, wenn
Du keine Rücklage hast, sie aber für deine Angehörigen regeln willst. Oder du die Sorge hast, dass eine Rücklage im Alltag angegriffen wird.
Eher nicht nötig, wenn
Genug Erspartes da ist, eine Lebensversicherung bereits für den Todesfall zahlt oder deine Erben die Kosten ohne Probleme tragen können. Oft ist dann eine Pflegezusatzversicherung für die Zeit vorher das wichtigere Thema.
Ehrlich gerechnet
Je jünger du abschließt und je länger du zahlst, desto eher zahlst du über die Jahre mehr ein, als ausgezahlt wird. Das ist der Preis dafür, dass die Summe nach der Wartezeit vertraglich zugesagt ist.
Für wen eignet sich eine Sterbegeldversicherung?
Vor allem für ältere Menschen, die ihren Angehörigen nichts hinterlassen wollen außer Erinnerungen, und keine Rechnungen.
Ältere ohne größere Rücklagen
Wer von einer kleinen Rente lebt und nichts zur Seite legen kann, regelt die Bestattung so mit überschaubaren Beiträgen.
Alleinstehende
Wer keine nahen Angehörigen hat oder niemandem zur Last fallen will, schafft damit Klarheit.
Menschen mit Vorerkrankungen
Tarife ohne Gesundheitsfragen sind oft der einzige Weg, überhaupt eine Todesfallleistung zu bekommen, dann mit Wartezeit.
Weniger geeignet für Junge
Wer jung ist, zahlt sehr lange ein. Eine eigene Rücklage und, solange Familie abhängt, eine Risikolebensversicherung sind meist sinnvoller.
Wie funktioniert eine Sterbegeldversicherung?
Du wählst eine Summe und zahlst dafür einen monatlichen Beitrag. Stirbst du, geht die Summe an die Person, die du eingetragen hast.
Bezugsberechtigung
Du bestimmst, wer das Geld bekommt, zum Beispiel ein Kind oder den Partner. Das Geld fließt direkt dorthin, ohne auf den Erbschein zu warten.
Überschüsse
Viele Verträge erhöhen die Summe über Überschüsse. Die sind nicht fest zugesagt, nur die vereinbarte Grundsumme ist sicher.
Beitrag
Hängt vor allem vom Eintrittsalter, von der Summe und der Beitragsdauer ab.
Wie hoch sollte die Summe sein?
So hoch, wie die Bestattung kosten soll, abzüglich dessen, was sicher schon da ist.
Vorstellungen klären
Erdbestattung oder Feuerbestattung, Familiengrab oder Urnenwand, große Trauerfeier oder im kleinen Kreis. Das macht den größten Unterschied.
Kosten vor Ort erfragen
Friedhofsgebühren in deiner Gemeinde und ein Angebot vom Bestatter geben eine realistische Zahl.
Nicht überversichern
Mehr als die Bestattungskosten braucht es selten. Für die Versorgung von Angehörigen gibt es bessere Lösungen.
Was bedeuten Wartezeit, Laufzeit und Beitragsdauer?
Diese drei Begriffe entscheiden, ob der Vertrag zu dir passt.
Wartezeit
In den ersten Jahren nach Abschluss wird bei Tod durch Krankheit oft nicht die volle Summe gezahlt, sondern nur die eingezahlten Beiträge oder ein gestaffelter Anteil. Bei Tod durch Unfall gilt meist sofort die volle Summe.
Laufzeit
Meist lebenslang. Der Schutz endet also erst mit dem Tod.
Beitragsdauer
Wie lange du zahlst. Lebenslang oder bis zu einem bestimmten Alter. Kürzere Beitragsdauer bedeutet höhere Beiträge, aber du hörst irgendwann auf zu zahlen.
💡 Tipp: Rechne Beitrag mal Beitragsjahre bis zu deiner statistischen Lebenserwartung. Liegt das deutlich über der Summe, ist eine Rücklage vielleicht die bessere Wahl.
Gibt es Sterbegeldversicherungen ohne Wartezeit?
Ja. Dann werden aber meist Gesundheitsfragen gestellt.
Mit Gesundheitsfragen
Wer gesund ist, bekommt so von Anfang an vollen Schutz. Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte.
Ohne Gesundheitsfragen
Dann fast immer mit Wartezeit. Für Menschen mit Vorerkrankungen oft der einzige Weg.
Worauf solltest du beim Abschluss achten?
Ein paar Punkte entscheiden darüber, ob der Vertrag später wirklich das tut, was er soll.
- Summe an den tatsächlichen Bestattungskosten vor Ort ausrichten.
- Beitrag mal Beitragsjahre gegen die Summe rechnen.
- Wartezeit und Leistung in der Wartezeit genau lesen.
- Beitragsdauer so wählen, dass du nicht bis ins hohe Alter zahlst, wenn möglich.
- Bezugsrecht eintragen und der Person Bescheid geben, dass es den Vertrag gibt.
- Versicherungsschein dort ablegen, wo die Angehörigen ihn finden.
Welche Alternativen gibt es?
Die Sterbegeldversicherung ist nicht der einzige Weg, die Bestattung zu regeln.
Eigene Rücklage
Ein Tagesgeldkonto, auf das regelmäßig etwas fließt. Flexibel und ohne Kosten, aber nur, wenn du das Geld wirklich liegen lässt. Und im Todesfall fällt das Konto erst einmal in den Nachlass.
Bestehende Lebensversicherung
Wenn eine Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung mit Todesfallleistung vorhanden ist, deckt sie die Kosten vielleicht schon.
Bestattungsvorsorgevertrag
Mit einem Bestatter wird die Bestattung im Detail festgelegt und vorab bezahlt, oft über ein Treuhandkonto.
Risikolebensversicherung
Nur sinnvoll, solange sie läuft. Sie endet meist vor dem Alter, in dem die meisten Menschen sterben.
Du hast schon eine Sterbegeldversicherung?
Dann nicht vorschnell kündigen. Bei einer Kündigung bekommst du gerade in den ersten Jahren oft deutlich weniger zurück, als du eingezahlt hast.
Prüfen statt kündigen
Passt die Summe noch? Ist die Beitragsdauer bald vorbei? Stimmt das Bezugsrecht? Oft ist Weiterlaufen lassen oder beitragsfrei stellen die bessere Lösung. Wie das Prinzip funktioniert: Beitragsfrei stellen statt kündigen
Wenn doch wechseln
Ein neuer Vertrag hat oft wieder eine Wartezeit, und dein Eintrittsalter ist höher. Annahme des neuen Vertrags immer vor der Kündigung des alten.
Fazit: Wann sich eine Sterbegeldversicherung lohnt
Wenn du deine Angehörigen entlasten willst und keine eigene Rücklage aufbauen kannst, ist sie eine einfache Lösung. Wer Erspartes hat, braucht sie meist nicht.
So gehen wir vor
Wir schauen, was schon da ist, rechnen Beiträge gegen die Summe und entscheiden dann in Ruhe. Und wenn du keine brauchst, sage ich dir das. Einen Überblick über alle Verträge gibt dir der Vorsorge-Check.
Häufig gestellte Fragen: Sterbegeldversicherung
Was zahlt eine Sterbegeldversicherung?
Eine vereinbarte Summe im Todesfall, meist zur Deckung der Bestattungskosten. Das Geld geht direkt an die eingetragene Person.
Zahlt die Krankenkasse noch Sterbegeld?
Nein, die gesetzliche Krankenversicherung zahlt kein Sterbegeld mehr. Die Kosten tragen grundsätzlich die Erben.
Was passiert, wenn ich in der Wartezeit sterbe?
Meist werden die eingezahlten Beiträge oder ein Teil der Summe erstattet. Bei Tod durch Unfall gilt in der Regel sofort die volle Summe.
Lohnt sich eine Sterbegeldversicherung mit 60?
Das hängt vom Beitrag und der Beitragsdauer ab. Rechne aus, wie viel du bis zu deiner Lebenserwartung einzahlst, und vergleiche das mit der Summe und einer eigenen Rücklage.
Kann ich eine Sterbegeldversicherung kündigen?
Ja, aber du bekommst meist deutlich weniger zurück, als du eingezahlt hast. Prüf vorher Alternativen wie die Beitragsfreistellung.
Ist eine Rücklage besser als eine Sterbegeldversicherung?
Wenn du das Geld diszipliniert zurücklegst und nicht anrührst, oft ja. Die Versicherung hat den Vorteil, dass die Summe vertraglich zugesagt ist, auch wenn du früh stirbst.