Versicherungsvertreter oder Makler? Ehrlich erklärt
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Ein Vertreter arbeitet im Auftrag eines Versicherers, ein Makler im Auftrag des Kunden, ein Versicherungsberater lässt sich direkt vom Kunden bezahlen. Jedes Modell hat Stärken und Grenzen. Ich bin Vertreter, deshalb sage ich es gleich: Wichtiger als das Etikett ist, ob dein Berater deinen Vertrag versteht.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Gebundener Vertreter: arbeitet für einen Versicherer, begrenzte Auswahl, Haftung in der Regel beim Versicherer (§ 34d Abs. 7 GewO).
- Makler: arbeitet auf Basis eines Maklervertrags für dich, größere Auswahl, haftet selbst.
- Versicherungsberater: berät gegen Honorar nach § 34d Abs. 2 GewO.
- Vertreter und Makler werden meist über Provision bezahlt, die im Beitrag steckt.
- Jeder Vermittler muss dir seinen Status in der Erstinformation offenlegen.
Was macht ein Versicherungsvertreter?
Ein Vertreter arbeitet im Auftrag eines Versicherers und vermittelt dessen Produkte. Ein gebundener Vertreter wie ich arbeitet für ein Haus.
Für wen er arbeitet
Rechtlich steht er auf der Seite des Versicherers. Das heißt nicht, dass er gegen dich arbeitet, aber du solltest es wissen.
Einfirmen- und Mehrfachvertreter
Die meisten Vertreter arbeiten für ein Haus. Es gibt auch Mehrfachvertreter, die mehrere Versicherer vertreten, aber nicht den ganzen Markt.
Wie er bezahlt wird
Meist über Provision, die im Beitrag enthalten ist. Angestellte in einer Agentur bekommen oft zusätzlich ein Gehalt.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Vertreter?
Die Stärken liegen in Nähe und Verantwortung, die Schwäche in der Auswahl.
Fester Ansprechpartner
Du hast eine Person und oft ein Büro vor Ort, keine Hotline mit wechselnden Namen.
Haftung beim Versicherer
Beim gebundenen Vertreter ohne eigene Erlaubnis übernimmt der Versicherer die uneingeschränkte Haftung aus der Vermittlertätigkeit (§ 34d Abs. 7 GewO). Du hast dann den Versicherer als Gegenüber, falls etwas schiefgeht.
Schadenfall aus einer Hand
Vertreter und Versicherer arbeiten im selben System. Rückfragen im Leistungsfall laufen dadurch oft kurz.
Begrenzte Auswahl
Ein Vertreter kann dir nur die Produkte seines Hauses anbieten. Ob ein anderer Anbieter günstiger ist, kann er nicht seriös sagen.
Was macht ein Versicherungsmakler?
Ein Makler schließt mit dir einen Maklervertrag und arbeitet in deinem Auftrag. Er ist nicht an einen bestimmten Versicherer gebunden.
Größere Auswahl
Er muss seinem Rat eine hinreichende Zahl von am Markt angebotenen Verträgen und Versicherern zugrunde legen (§ 60 VVG). Dadurch kann er vergleichen.
Haftung beim Makler
Für Beratungsfehler haftet der Makler selbst. Dafür muss er eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen.
Vergütung
Meist ebenfalls Provision, auch Courtage genannt, die im Beitrag steckt. Makler sind also nicht automatisch provisionsfrei.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Makler?
Die Stärke ist die Auswahl, die Schwächen sind weniger sichtbar.
Vorteil: Vergleich über viele Anbieter
Wenn dir der Preis oder eine besondere Klausel wichtig ist, kann ein Makler breiter suchen.
Vorteil: steht auf deiner Seite
Durch den Maklervertrag ist er rechtlich dein Interessenvertreter.
Nachteil: Qualität hängt an der Person
Mehr Auswahl heißt nicht automatisch besserer Rat. Auch ein Makler kann Klauseln übersehen.
Zu bedenken: unterschiedliche Vergütung
Verschiedene Anbieter und Produkte zahlen unterschiedlich. Das gilt für jeden Vermittler, der über Provision bezahlt wird, auch für mich.
Und was ist ein Versicherungsberater?
Versicherungsberater beraten gegen Honorar und brauchen eine eigene Erlaubnis nach § 34d Abs. 2 GewO.
Bezahlung
Du zahlst direkt, meist nach Stunden oder pauschal. Zuwendungen vom Versicherer dürfen sie nicht annehmen (§ 34d Abs. 2 GewO).
Für wen das passt
Wenn du eine Meinung ohne jeden Verkaufsanreiz willst und bereit bist, dafür zu zahlen. Auch Verbraucherzentralen bieten Beratung gegen Entgelt an.
Die Grenze
Die Umsetzung, also Antrag, Betreuung und Leistungsfall, übernimmst du oft selbst oder mit jemand anderem.
Vertreter, Makler, Berater: die Übersicht
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.
Vereinfachte Darstellung. Den genauen Status muss dir jeder Vermittler in seiner Erstinformation nennen.
| Vertreter | Makler | Versicherungsberater | |
|---|---|---|---|
| Arbeitet im Auftrag von | Versicherer | Kunde (Maklervertrag) | Kunde |
| Auswahl | Produkte eines oder weniger Häuser | Viele Versicherer | Keine eigene Vermittlung im Vordergrund |
| Haftung für Beratungsfehler | Versicherer, beim gebundenen Vertreter nach § 34d Abs. 7 GewO | Makler selbst | Berater selbst |
| Vergütung | Provision, bei Angestellten plus Gehalt | Meist Provision (Courtage) | Honorar vom Kunden |
| Kosten für dich extra | Nein | Meist nein | Ja |
| Ansprechpartner im Leistungsfall | Ja | Ja | Oft nicht |
Woran erkennst du guten Rat?
Egal, welches Etikett jemand trägt, diese Punkte zeigen dir, ob er es ernst meint.
- Er nennt dir seinen Status offen, bevor es um Produkte geht.
- Er fragt zuerst nach deiner Situation, nicht nach deinem Budget für einen Tarif.
- Er klärt Gesundheitsfragen vor dem Antrag gemeinsam mit dir und in Ruhe, anhand der Krankenakte.
- Er dokumentiert die Beratung, wie es das Gesetz verlangt (§ 61 VVG).
- Er sagt dir auch, wenn dein bestehender Vertrag gut ist.
- Er rät nie zur Kündigung, bevor ein neuer Vertrag angenommen ist.
💡 Tipp: Bei der BU zeigt sich guter Rat an den Gesundheitsfragen. Mehr: Gesundheitsfragen der BU.
Fazit: Was ist wichtiger als das Etikett?
Wichtiger als das Etikett: Versteht dein Berater deinen Vertrag — und sagt er dir, wenn er gut ist?
Meine Position
Ich bin Vertreter und sage das offen. Wie ich arbeite, steht unter So arbeite ich, wo ich arbeite unter Die Agentur.
Dein nächster Schritt
Lass deine bestehenden Verträge kostenlos prüfen, zum Beispiel im BU-Check oder im Renten-Check. Erst prüfen, dann entscheiden.
Häufig gestellte Fragen: Vertreter oder Makler?
Was ist der Unterschied zwischen Versicherungsvertreter und Makler?
Der Vertreter arbeitet im Auftrag eines Versicherers, der Makler im Auftrag des Kunden. Deshalb hat der Makler meist mehr Auswahl. Beim gebundenen Vertreter nach § 34d Abs. 7 GewO haftet dafür der Versicherer.
Ist ein Makler besser als ein Vertreter?
Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob der Berater deine Verträge und Gesundheitsfragen sorgfältig prüft.
Kostet ein Makler Geld?
Meist nicht extra, weil er über Provision im Beitrag bezahlt wird. Honorarmodelle gibt es aber auch.
Wer haftet, wenn ein Vertreter falsch berät?
Beim gebundenen Vertreter ohne eigene Erlaubnis (§ 34d Abs. 7 GewO) übernimmt der Versicherer die Haftung. Vertreter mit eigener Erlaubnis haften selbst.
Woran erkenne ich, ob jemand Vertreter oder Makler ist?
An der Erstinformation, die dir jeder Vermittler geben muss, und am Eintrag im Vermittlerregister.
Was macht ein Versicherungsberater?
Er berät gegen Honorar und darf keine Zuwendungen vom Versicherer annehmen.