Ruhegehalt bei Dienstunfähigkeit: wie viel bleibt wirklich?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Wer als Beamter auf Lebenszeit dienstunfähig wird, bekommt nach einer Wartezeit von fünf Jahren Ruhegehalt. Weil die Dienstjahre fehlen, rechnet der Dienstherr eine Zurechnungszeit hinzu, zieht aber einen Versorgungsabschlag ab. Das Ergebnis liegt in den ersten Jahren oft nur bei der Mindestversorgung. Anwärter und Beamte auf Probe bekommen ohne Dienstunfall in der Regel gar kein Ruhegehalt.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Ruhegehalt gibt es grundsätzlich erst als Beamter auf Lebenszeit nach fünf Jahren Dienstzeit.
- Zurechnungszeit: Ein Teil der Zeit bis zum 60. Lebensjahr wird als Dienstzeit angerechnet.
- Versorgungsabschlag: Beim Bund bis zu 10,8 % bei Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit.
- Untergrenze ist die Mindestversorgung.
- Bei einem Dienstunfall gelten eigene, günstigere Regeln.
- Die Länder regeln Zurechnungszeit und Abschlag teilweise abweichend.
Wann haben Beamte bei Dienstunfähigkeit Anspruch auf Ruhegehalt?
Wenn zwei Dinge zusammenkommen: Du bist Beamter auf Lebenszeit, und du hast die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt.
Vorher: Entlassung
Anwärter, Beamte auf Probe und Beamte auf Lebenszeit vor Ablauf der Wartezeit werden bei Dienstunfähigkeit in der Regel entlassen und in der gesetzlichen Rente nachversichert. Mehr: Beamter auf Probe
Ausnahme Dienstunfall
Beruht die Dienstunfähigkeit auf einem Dienstunfall, gibt es Ruhegehalt auch ohne erfüllte Wartezeit, und zwar als Unfallruhegehalt, das höher ausfällt als das normale Ruhegehalt.
Was ist die Zurechnungszeit?
Wer früh dienstunfähig wird, hätte ohne Ausgleich kaum Dienstjahre. Deshalb wird ein Teil der fehlenden Zeit fiktiv hinzugerechnet.
So funktioniert es beim Bund
Wirst du vor dem 60. Lebensjahr dienstunfähig, wird die Zeit vom Ruhestandsbeginn bis zum 60. Geburtstag zu zwei Dritteln als ruhegehaltsfähige Dienstzeit angerechnet.
In den Ländern
Die meisten Länder kennen eine vergleichbare Regel, Umfang und Altersgrenze können aber abweichen.
Was sie nicht ausgleicht
Die Zeit nach dem 60. Lebensjahr und das restliche Drittel fehlen trotzdem. Die Pension bleibt also unter dem, was du bei voller Laufbahn bekommen hättest.
Wie hoch ist der Versorgungsabschlag bei Dienstunfähigkeit?
Wer vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand geht, bekommt einen dauerhaften Abschlag auf das Ruhegehalt.
Beim Bund
Der Abschlag beträgt 3,6 % pro Jahr vor der maßgeblichen Altersgrenze, bei Dienstunfähigkeit höchstens 10,8 %. Er gilt lebenslang, nicht nur bis zur regulären Altersgrenze.
Kein Abschlag bei Dienstunfall
Wer wegen eines Dienstunfalls in den Ruhestand geht, bekommt keinen Versorgungsabschlag.
In den Ländern
Viele Länder haben ähnliche Regeln, Details wie Altersgrenzen und Ausnahmen weichen ab. Verbindlich ist die Auskunft deines Dienstherrn.
Wie sieht eine Beispielrechnung aus?
Beispiel, vereinfacht, nach Bundesrecht, ohne Familienzuschlag, Steuern und Krankenversicherung.
Was das im Alltag heißt
Von rund 1.707 € brutto gehen noch Steuern und der Beitrag zur privaten Krankenversicherung ab. Vorher lag das Netto deutlich höher. Die Differenz zahlt nur eine Dienstunfähigkeitsversicherung.
Beispiel, vereinfacht, Bundesrecht; Länder regeln abweichend.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Alter bei Dienstunfähigkeit | 35 Jahre |
| Ruhegehaltsfähige Dienstzeit bisher | 10 Jahre |
| Zurechnungszeit: 25 Jahre bis zum 60. Lebensjahr, davon zwei Drittel | rund 16,67 Jahre |
| Ruhegehaltsfähige Dienstzeit gesamt | rund 26,67 Jahre |
| Ruhegehaltssatz (1,79375 % je Jahr) | rund 47,83 % |
| Nach Versorgungsabschlag von 10,8 % | rund 42,67 % |
| Bei 4.000 € ruhegehaltsfähigen Dienstbezügen | rund 1.707 € brutto |
Welche Rolle spielt die Mindestversorgung?
Sie ist die Untergrenze. Liegt dein berechnetes Ruhegehalt darunter, bekommst du die Mindestversorgung.
Zwei Varianten
35 % der ruhegehaltsfähigen Dienstbezüge oder, wenn höher, ein amtsunabhängiger Mindestbetrag. Details und Tabelle: Beamtenpension-Tabelle
Für wen sie meist greift
Für Beamte, die wenige Jahre nach der Wartezeit dienstunfähig werden, vor allem in unteren und mittleren Besoldungsgruppen.
Was ist, wenn du nur teilweise dienstunfähig bist?
Dann schickt der Dienstherr dich nicht in den Ruhestand, sondern setzt deine Arbeitszeit herab.
Begrenzte Dienstfähigkeit
Du arbeitest weniger und bekommst anteilig weniger Besoldung plus Zuschlag. Mehr: Teildienstunfähigkeit
Folgen für die Pension
Auch die spätere Pension fällt dann meist niedriger aus, weil die Zeit nicht voll zählt.
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Zur kostenlosen Checkliste →Fazit: Reicht das Ruhegehalt bei Dienstunfähigkeit?
In den ersten Jahren fast nie. Zurechnungszeit und Mindestversorgung federn ab, der Abschlag nimmt wieder etwas weg, und am Anfang der Laufbahn gibt es oft gar nichts.
Was ich mit dir durchrechne
Wie hoch dein Ruhegehalt heute wäre, wie groß die Lücke zum Netto ist und welche DU-Rente sie schließt. Zurück zur Übersicht für Beamte.
Häufig gestellte Fragen: Ruhegehalt bei Dienstunfähigkeit
Wie hoch ist die Pension bei Dienstunfähigkeit?
Das hängt von Dienstzeit, Zurechnungszeit, Abschlag und Besoldung ab. In den ersten Jahren nach der Wartezeit landen viele bei der Mindestversorgung.
Was ist die Zurechnungszeit bei Beamten?
Beim Bund wird die Zeit vom Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit bis zum 60. Lebensjahr zu zwei Dritteln als Dienstzeit angerechnet. Die Länder regeln das teilweise anders.
Wie hoch ist der Versorgungsabschlag bei Dienstunfähigkeit?
Beim Bund 3,6 % pro Jahr vor der Altersgrenze, höchstens 10,8 %. Bei einem Dienstunfall entfällt der Abschlag.
Bekomme ich als Beamter auf Probe Ruhegehalt?
In der Regel nein, außer die Dienstunfähigkeit beruht auf einem Dienstunfall.
Gilt der Versorgungsabschlag lebenslang?
Ja, der Abschlag bleibt dauerhaft bestehen, auch nach Erreichen der regulären Altersgrenze.