Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankungen — geht das?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Oft ja. Auch mit Rückenbeschwerden, einer früheren Psychotherapie oder einer zurückliegenden Operation ist eine Absicherung der Arbeitskraft häufig möglich, manchmal mit Ausschluss oder Zuschlag. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst die Gesundheitsfragen sauber klären, dann den Antrag stellen. Ein abgelehnter Antrag muss bei späteren Anträgen angegeben werden.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Mögliche Ergebnisse: normale Annahme, Ausschluss, Beitragszuschlag, Zurückstellung oder Ablehnung.
- Abgelehnte Anträge werden bei späteren Anträgen abgefragt und können im Hinweis- und Informationssystem gemeldet werden.
- Gefragt ist nur, was im Antrag steht, das aber vollständig und richtig.
- Die Krankenakte zeigt, was wirklich dokumentiert ist, auch Abrechnungsdiagnosen.
- Falsche Angaben können den Schutz kosten, auch Jahre später.
- Wenn die BU nicht geht: Grundfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung prüfen.
Bekommt man mit Vorerkrankungen überhaupt eine BU?
Häufig ja. Eine Vorerkrankung bedeutet nicht automatisch Ablehnung. Es kommt darauf an, was, wie lange her und wie es heute aussieht.
Was der Versicherer wissen will
Diagnose, Behandlungszeitraum, Therapie, heutiger Stand und ob Beschwerden geblieben sind.
Mögliche Ergebnisse
Annahme zu normalen Bedingungen, Annahme mit Ausschluss einer Erkrankung, mit Beitragszuschlag, Zurückstellung für eine bestimmte Zeit oder Ablehnung.
Ein Ausschluss ist nicht wertlos
Wer wegen eines Knies einen Ausschluss bekommt, ist bei Psyche, Krebs oder Rücken trotzdem geschützt. Das kann besser sein als gar keine BU.
Warum ist ein unvorbereiteter Antrag riskant?
Weil ein Antrag Spuren hinterlässt, auch wenn er abgelehnt wird.
Frage nach früheren Anträgen
Spätere Anträge fragen in der Regel, ob schon einmal ein Antrag abgelehnt oder nur erschwert angenommen wurde. Das musst du dann angeben.
Hinweis- und Informationssystem
Versicherer können bestimmte Fälle im Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft melden, das andere Gesellschaften abfragen.
Deshalb erst klären
Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte. Kein Antrag auf Verdacht.
Wie findest du heraus, was in deiner Akte steht?
Viele wissen nicht, was Ärzte abgerechnet haben. Die Versicherer fragen aber genau danach.
Auskunft bei der Krankenkasse
Du hast ein Recht auf Auskunft über gespeicherte Daten, auch zu abgerechneten Diagnosen. Vorlage: Auskunft Krankenkasse
Patientenakte beim Arzt
Auch bei Ärzten kannst du Einsicht und Kopien verlangen. Vorlage: Patientenakte anfordern
Abrechnungsdiagnosen
Manchmal steht in der Akte mehr, als du beim Arzt besprochen hast, etwa eine Diagnose für eine Krankschreibung. Das sollte man vor dem Antrag wissen.
Was musst du in den Gesundheitsfragen angeben?
Alles, wonach gefragt wird, im abgefragten Zeitraum. Nicht mehr und nicht weniger.
Zeiträume genau lesen
Die Fragen beziehen sich auf bestimmte Jahre zurück, je nach Frage unterschiedlich lang.
Auch Kleinigkeiten
Wenn eine Frage nach allen Behandlungen fragt, gehört auch die Physiotherapie vom letzten Jahr dazu.
Mehr dazu
Alles zum Fragebogen: Gesundheitsfragen der BU
Was passiert bei falschen oder vergessenen Angaben?
Das ist nicht der häufigste, aber ein vermeidbarer Grund, warum eine BU im Leistungsfall nicht zahlt.
Folgen je nach Verschulden
Je nach Fall kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, kündigen oder den Vertrag rückwirkend anpassen, etwa mit Ausschluss. Bei Arglist kann er anfechten.
Auch nach Jahren
Diese Rechte bestehen grundsätzlich fünf Jahre nach Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist zehn Jahre.
Schon einen Vertrag?
Wenn du unsicher bist, ob damals alles stimmte, lass es prüfen. Mehr: BU-Check
Welche Vorerkrankungen spielen häufig eine Rolle?
Ohne Versprechen, wie ein Einzelfall ausgeht: Diese Themen kommen in Gesprächen immer wieder vor.
Psyche
Dazu gibt es eine eigene Seite: BU nach Psychotherapie
- Rücken, Bandscheibe, Gelenke
- Psychotherapie, Beratung, Krankschreibungen wegen Belastung
- Allergien, Asthma, Hauterkrankungen
- Bluthochdruck und Übergewicht
- Zurückliegende Operationen und Sportverletzungen
Kostenlose BU-Checkliste: 12 Fragen an deinen Vertrag
Zur kostenlosen Checkliste →Was, wenn die klassische BU nicht geht?
Eine Absage bei der BU ist kein Ende. Es gibt andere Wege, die Arbeitskraft abzusichern.
Grundfähigkeitsversicherung
Versichert bestimmte Fähigkeiten wie Gehen, Sehen, Heben oder den Gebrauch der Hände. Die Gesundheitsprüfung ist oft einfacher. Mehr: Grundfähigkeitsversicherung
Erwerbsunfähigkeitsversicherung
Zahlt erst, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst. Mehr: Erwerbsunfähigkeitsversicherung
Später noch einmal
Nach einer Zurückstellung oder wenn Beschwerden lange zurückliegen, kann sich die Lage ändern.
Fazit: Wie gehst du mit Vorerkrankungen vor?
Nicht verschweigen, aber auch nicht aufgeben. Erst die Akte kennen, dann die Fragen in Ruhe beantworten, dann den Antrag stellen. Und wenn die BU nicht geht, gibt es Alternativen.
Weiterlesen
Grundlagen im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung.
Häufig gestellte Fragen: BU trotz Vorerkrankungen
Kann ich trotz Vorerkrankung eine BU abschließen?
Oft ja, manchmal mit Ausschluss oder Zuschlag. Das hängt von der Erkrankung, dem Zeitraum und dem heutigen Stand ab.
Muss ich Vorerkrankungen angeben, die lange zurückliegen?
Nur, wenn sie im abgefragten Zeitraum liegen. Lies jede Frage genau, die Zeiträume unterscheiden sich.
Was passiert, wenn ich eine Vorerkrankung vergesse?
Je nach Verschulden kann der Versicherer zurücktreten, kündigen oder den Vertrag anpassen. Das kann den Schutz im Leistungsfall kosten.
Wird ein abgelehnter Antrag gespeichert?
Spätere Anträge fragen danach, und bestimmte Fälle können im Hinweis- und Informationssystem gemeldet werden. Deshalb erst klären, dann beantragen.
Wie komme ich an meine Krankenakte?
Über eine Auskunft bei deiner Krankenkasse und Einsicht bei deinen Ärzten. Dafür gibt es Vorlagen.
Ist ein Ausschluss schlimm?
Nicht unbedingt. Du bist dann für alle anderen Ursachen geschützt, und das sind die meisten.