Krankentagegeld — was nach 6 Wochen Krankheit passiert
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Angestellte bekommen sechs Wochen lang ihr volles Gehalt, danach zahlt die gesetzliche Kasse Krankengeld: 70 % vom Brutto, höchstens 90 % vom Netto, und davon gehen noch Sozialabgaben ab. Die Lücke zum gewohnten Netto schließt ein Krankentagegeld. Selbstständige und privat Versicherte brauchen es noch dringender, weil sie sonst oft gar nichts bekommen.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Lohnfortzahlung: sechs Wochen volles Gehalt vom Arbeitgeber.
- Danach Krankengeld der gesetzlichen Kasse: 70 % vom Brutto, maximal 90 % vom Netto.
- Vom Krankengeld gehen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab.
- Selbstständige haben keine Lohnfortzahlung und ohne Vorsorge oft kein Krankengeld.
- Privat Versicherte bekommen kein Krankengeld, sie brauchen einen Krankentagegeld-Tarif.
- Krankentagegeld ist für vorübergehende Krankheit, bei dauerhaftem Ausfall greift die BU.
👉 So solltest du vorgehen
- Rechne aus, wie viel dir nach sechs Wochen Krankheit monatlich fehlt.
- Lege fest, ab welchem Tag und in welcher Höhe das Krankentagegeld zahlen soll.
- Gesundheitsfragen vorher klären und die Absicherung zusammen mit einer BU denken.
Was passiert in den ersten sechs Wochen?
Als Angestellter bist du erst einmal gut versorgt. Dein Arbeitgeber zahlt dir bis zu sechs Wochen lang dein volles Gehalt weiter.
Entgeltfortzahlung
Das ist gesetzlich geregelt und gilt für jede neue Erkrankung. Voraussetzung ist unter anderem, dass das Arbeitsverhältnis schon vier Wochen besteht.
Dieselbe Krankheit
Wirst du wegen derselben Krankheit wiederholt krankgeschrieben, werden die Zeiten in der Regel zusammengerechnet.
Und dann?
Ab der siebten Woche endet die Lohnfortzahlung. Jetzt zahlt nicht mehr der Arbeitgeber, sondern die Krankenkasse, und zwar deutlich weniger.
Wie viel Krankengeld zahlt die gesetzliche Kasse?
Das Krankengeld beträgt 70 % deines regelmäßigen Bruttoeinkommens, höchstens aber 90 % deines Nettoeinkommens.
Nach oben gedeckelt
Berücksichtigt wird dein Einkommen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die jährlich neu festgelegt wird. Wer gut verdient, bekommt deshalb prozentual noch weniger.
Abzüge
Vom Krankengeld gehen deine Anteile zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Was auf dem Konto landet, ist also noch einmal weniger.
Wie lange
Wegen derselben Krankheit höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, die Zeit der Lohnfortzahlung eingerechnet.
Wie groß ist die Lücke? Ein Beispiel
Rechnen wir es einmal durch. Die Zahlen sind gerundet und nur ein Beispiel, deine Werte hängen von Steuerklasse, Kasse und Einkommen ab.
Was das bedeutet
Knapp 500 € weniger im Monat, während Miete, Kredit, Auto und Versicherungen weiterlaufen. Bei höherem Einkommen wird die Lücke wegen der Deckelung deutlich größer.
Beispielrechnung, vereinfacht und gerundet. Die tatsächlichen Werte berechnet deine Krankenkasse.
| Beispiel: Angestellte, 3.500 € brutto | Pro Monat |
|---|---|
| Gewohntes Netto | rund 2.300 € |
| 70 % vom Brutto | 2.450 € |
| Höchstens 90 % vom Netto | 2.070 € |
| Abzüglich Sozialabgaben (rund 12 %) | rund 250 € |
| Krankengeld auf dem Konto | rund 1.820 € |
| Lücke zum gewohnten Netto | rund 480 € |
Was gilt für Selbstständige?
Für Selbstständige gibt es keine Lohnfortzahlung. Fällst du aus, endet dein Einkommen ab dem ersten Tag, die Kosten laufen weiter.
Gesetzlich versichert
Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige können sich für Krankengeld ab der siebten Woche entscheiden, dann gilt ein höherer Beitragssatz. Alternativ bieten Kassen Wahltarife an. Ohne diese Wahl gibt es kein Krankengeld.
Privat versichert
Hier gibt es nur, was du im Krankentagegeld-Tarif vereinbarst. Ohne Tarif gibt es nichts.
Die ersten Wochen
Eine Grippe mit Komplikationen, ein gebrochener Arm, eine Operation mit Reha: Sechs Wochen ohne Einnahmen sind kein seltenes Szenario. Mehr: Versicherungen für Selbstständige
Ab welchem Tag sollte das Krankentagegeld zahlen?
Die Karenzzeit ist die Zeit, die du selbst überbrückst. Sie ist die wichtigste Stellschraube beim Beitrag.
Für Angestellte
Meist ab dem 43. Tag, also direkt nach der Lohnfortzahlung. Dann schließt das Krankentagegeld nahtlos an.
Für Selbstständige
Üblich sind Karenzzeiten ab dem 15., 22. oder 43. Tag, teils auch früher. Wer drei Wochen aus Rücklagen tragen kann, zahlt deutlich weniger als jemand, der ab dem vierten Tag abgesichert sein will.
Die ehrliche Frage
Wie viele Wochen kannst du mit deinen Rücklagen wirklich überbrücken, ohne dass es eng wird? Genau so lang sollte die Karenzzeit sein, nicht länger.
Was gilt für privat Versicherte?
Privat Versicherte bekommen kein Krankengeld. Das Krankentagegeld muss im Vertrag ausdrücklich vereinbart sein.
Angestellte in der PKV
Die Lohnfortzahlung bekommst du genauso. Ab der siebten Woche zahlt aber nur dein Krankentagegeld-Tarif, sonst niemand.
Nicht höher als das Einkommen
Das Krankentagegeld darf dein Nettoeinkommen nicht übersteigen. Steigt dein Einkommen, solltest du den Tagessatz anpassen. Sinkt es dauerhaft, kann der Versicherer den Satz herabsetzen.
Beamte
Beamte brauchen in der Regel kein Krankentagegeld, weil die Bezüge im Krankheitsfall weiterlaufen. Mehr: PKV für Beamte
Wie hoch sollte das Krankentagegeld sein?
So hoch, dass die Lücke geschlossen ist. Nicht so hoch, dass du für Geld zahlst, das du nie bekommst.
Für Angestellte
Die Differenz zwischen Krankengeld und deinem Netto, umgerechnet auf den Tag. Im Beispiel oben rund 480 € im Monat, also etwa 16 € pro Tag.
Für Selbstständige
Faustregel: monatliche Fixkosten des Betriebs plus privates Netto, geteilt durch 30. Wer den Umsatz versichert, zahlt für Geld, das er im Krankheitsfall gar nicht braucht.
Regelmäßig prüfen
Gehaltserhöhung, Selbstständigkeit, neuer Kredit: Das Krankentagegeld sollte mitwachsen.
💡 Tipp: Rechne mit Kalendertagen, nicht mit Arbeitstagen. Krankentagegeld wird für jeden Tag der Arbeitsunfähigkeit gezahlt, auch am Wochenende.
Was kostet ein Krankentagegeld?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Beitrag hängt von wenigen, klaren Faktoren ab.
Gesundheitsfragen
Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte. Gerade beim Krankentagegeld spielen Rückenbeschwerden oder psychische Behandlungen eine große Rolle.
- Karenzzeit: Je später die Leistung beginnt, desto günstiger
- Tagessatz: Mehr Geld pro Tag, mehr Beitrag
- Alter und Gesundheitszustand beim Abschluss
- Beruf: Körperlich belastende Berufe kosten mehr
- Ob gesetzlich oder privat versichert
Wie hängen Krankentagegeld und BU zusammen?
Sie schließen nacheinander an. Das eine ersetzt das andere nicht.
Krankentagegeld für den vorübergehenden Ausfall
Es zahlt, solange du arbeitsunfähig bist und wieder gesund werden kannst.
BU für den dauerhaften Ausfall
Stellt ein Arzt fest, dass du deinen Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben kannst, endet das Krankentagegeld in der Regel. Dann muss eine Berufsunfähigkeitsversicherung übernehmen.
Die gefährliche Lücke
Wer nur eines von beiden hat, ist entweder in den ersten Monaten oder auf Dauer nicht abgesichert. Und beim Übergang sollten beide Verträge gut zusammenpassen.
Welche Fehler solltest du beim Krankentagegeld vermeiden?
Die meisten Verträge scheitern nicht am Beitrag, sondern an Details, die beim Abschluss niemand angeschaut hat.
Tagessatz nie angepasst
Das Gehalt ist in zehn Jahren deutlich gestiegen, das Krankentagegeld nicht. Die Lücke ist dann wieder da, nur größer.
Karenzzeit passt nicht zur Lohnfortzahlung
Ein Angestellter mit Krankentagegeld ab dem 15. Tag zahlt für drei Wochen, in denen sein Arbeitgeber ohnehin das volle Gehalt überweist.
Umsatz statt Einkommen versichert
Selbstständige versichern gern ihren Umsatz. Im Leistungsfall zahlt der Versicherer aber nur bis zur Höhe des tatsächlichen Einkommens. Den Mehrbeitrag hast du umsonst gezahlt.
Wechsel in die Selbstständigkeit nicht gemeldet
Wer sich selbstständig macht, verliert die Lohnfortzahlung. Dann muss die Karenzzeit kürzer werden, sonst fehlen plötzlich sechs Wochen.
Gesundheitsfragen falsch beantwortet
Eine vergessene Behandlung kann dazu führen, dass der Versicherer im Leistungsfall vom Vertrag zurücktritt. Deshalb gehen wir die Fragen vorher sorgfältig durch.
Fazit: Brauchst du ein Krankentagegeld?
Als Selbstständiger oder privat Versicherter: fast immer. Als gesetzlich versicherter Angestellter: wenn du die Lücke nach sechs Wochen nicht aus Rücklagen tragen kannst oder gut verdienst.
Mein Rat
Rechne deine Lücke einmal ehrlich aus, wähle eine Karenzzeit passend zu deinen Rücklagen und denk die Berufsunfähigkeitsversicherung gleich mit. Im kostenlosen Vorsorge-Check schaue ich mir beides an und sage dir auch, was schon passt.
Häufig gestellte Fragen: Krankentagegeld
Was ist der Unterschied zwischen Krankengeld und Krankentagegeld?
Krankengeld zahlt die gesetzliche Kasse, Krankentagegeld ist eine private Versicherung, die du selbst abschließt, um die Lücke zu schließen oder überhaupt abgesichert zu sein.
Wie hoch ist das Krankengeld?
70 % vom Bruttoeinkommen, höchstens 90 % vom Netto. Davon gehen noch Beiträge zur Sozialversicherung ab.
Wie lange bekommt man Krankengeld?
Wegen derselben Krankheit höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren, die Lohnfortzahlung eingerechnet.
Bekommen Selbstständige Krankengeld?
Nur, wenn sie freiwillig gesetzlich versichert sind und Krankengeld gewählt haben. Privat versicherte Selbstständige brauchen ein Krankentagegeld.
Brauchen Beamte ein Krankentagegeld?
In der Regel nicht, weil die Bezüge im Krankheitsfall weiterlaufen.
Wann endet das Krankentagegeld?
Unter anderem, wenn du wieder arbeitsfähig bist oder dauerhaft berufsunfähig. Für den zweiten Fall brauchst du eine BU.