PKV für Selbstständige — Freiheit mit Verantwortung
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Selbstständige und Freiberufler dürfen unabhängig vom Einkommen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Die PKV ist oft attraktiv, weil der Beitrag nicht mit dem Umsatz steigt. Er sinkt aber auch nicht, wenn es schlecht läuft — und ohne Krankentagegeld zahlt dir im Krankheitsfall niemand dein Einkommen.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Selbstständige dürfen ohne Einkommensgrenze in die PKV.
- Der Beitrag hängt von Alter, Gesundheit und Tarif ab, nicht vom Gewinn.
- Es gibt keinen Arbeitgeberzuschuss, du trägst alles selbst.
- Krankentagegeld ist Pflicht, sonst fehlt im Krankheitsfall das Einkommen.
- Ein Selbstbehalt kann sinnvoll sein, muss aber auch in schwachen Jahren tragbar sein.
- Wechselst du später in eine Anstellung unter der Grenze, wirst du unter 55 wieder gesetzlich versichert.
Wie sind Selbstständige in der gesetzlichen Kasse versichert?
Freiwillig. Und das kann teuer werden, weil der Beitrag vom Einkommen abhängt.
Beitrag nach Einnahmen
Die gesetzliche Kasse berechnet deinen Beitrag nach deinen Einnahmen, mit einem Mindestbeitrag nach unten und dem Höchstbeitrag nach oben. Die Werte ändern sich jährlich.
Krankengeld nur auf Wunsch
Krankengeld gibt es als Selbstständiger nur, wenn du es ausdrücklich wählst. Sonst zahlt im Krankheitsfall niemand.
Familie
Kinder und Partner ohne eigenes Einkommen können unter Voraussetzungen beitragsfrei mitversichert sein.
Warum wählen viele Selbstständige die PKV?
Weil der Beitrag berechenbar ist und die Leistungen im Vertrag stehen.
- Beitrag unabhängig vom Gewinn, gute Jahre werden nicht bestraft
- Leistungen vertraglich festgeschrieben
- Krankentagegeld frei wählbar, zum Beispiel ab dem 15. oder 43. Tag
- Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung können den Beitrag senken
- Beiträge zur Basisabsicherung sind als Sonderausgaben absetzbar, sprich mit deiner Steuerberatung
Wo liegen die Risiken?
Selbstständigkeit verläuft selten gerade. Die PKV muss auch die Delle aushalten.
Schwache Jahre
Der Beitrag bleibt gleich, egal ob du gerade gut verdienst oder nicht. Wer hier nicht zahlt, landet nach einem Mahnverfahren im Notlagentarif.
Hoher Selbstbehalt
Ein hoher Selbstbehalt senkt den Beitrag, belastet dich aber genau dann, wenn du krank bist und womöglich weniger verdienst.
Familie
Jedes Kind kostet einen eigenen Beitrag. Einen Arbeitgeberzuschuss gibt es nicht.
Der Weg zurück
Wirst du später Angestellter unter der Einkommensgrenze und bist unter 55, wirst du wieder gesetzlich versichert. Ab 55 bleibt die Tür meist zu. Mehr: Zurück in die gesetzliche Kasse
Warum ist Krankentagegeld für dich so wichtig?
Als Selbstständiger zahlt dir ab Tag eins niemand dein Einkommen weiter. Keine Lohnfortzahlung, kein automatisches Krankengeld.
Karenzzeit passend wählen
Je später das Krankentagegeld beginnt, desto günstiger. Die Karenzzeit muss aber zu deinen Rücklagen passen.
Höhe richtig ansetzen
Das Krankentagegeld darf dein tatsächliches Nettoeinkommen nicht übersteigen. Prüf die Höhe regelmäßig, wenn dein Einkommen wächst. Mehr: Krankentagegeld
💡 Tipp: Krankentagegeld schützt dich bei vorübergehender Krankheit. Bei dauerhafter Berufsunfähigkeit endet es. Dafür brauchst du eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Worauf solltest du beim Tarif achten?
Günstig im ersten Jahr ist kein Qualitätsmerkmal. Achte auf das, was du in 20 Jahren brauchst.
- Selbstbehalt, den du auch in einem schlechten Jahr zahlen kannst
- Psychotherapie ohne enge Sitzungsbegrenzung
- Hilfsmittel ohne geschlossenen Katalog
- Zahnersatz mit ordentlicher Erstattung
- Möglichkeit, Beitragsentlastung fürs Alter einzubauen
Du bist schon privat versichert und der Beitrag drückt?
Dann nicht kündigen, sondern zuerst den Tarif prüfen. Deine Altersrückstellungen sind bares Geld.
Tarifwechsel beim eigenen Versicherer
Du darfst in einen anderen Tarif deines Versicherers wechseln und behältst deine Altersrückstellungen. Oft lässt sich so spürbar sparen, ohne wichtige Leistungen aufzugeben. Mehr: Tarifwechsel in der PKV
Versichererwechsel nur mit Vorsicht
Annahme des neuen Vertrags immer vor der Kündigung des alten. Und rechne damit, dass nur ein Teil der Altersrückstellungen mitkommt.
Fazit: PKV für Selbstständige — für wen passt es?
Die PKV passt zu Selbstständigen mit stabilem Einkommen, Rücklagen und einem Tarif, der auch schwache Jahre verträgt. Wer stark schwankt oder eine große Familie plant, sollte die gesetzliche Kasse ernsthaft mitrechnen. Grundlagen: Private Krankenversicherung. Und weil Selbstständige mehr als die Krankenversicherung brauchen: Versicherungen für Selbstständige.
Häufig gestellte Fragen: PKV für Selbstständige
Dürfen Selbstständige immer in die PKV?
Ja, Selbstständige und Freiberufler sind nicht versicherungspflichtig und dürfen unabhängig vom Einkommen wählen.
Ist die PKV für Selbstständige günstiger?
Oft am Anfang, weil der Beitrag nicht vom Einkommen abhängt. Über die Jahre, mit Familie und im Alter, kann sich das ändern.
Brauche ich als Selbstständiger Krankentagegeld?
Ja. Ohne Krankentagegeld hast du bei längerer Krankheit kein Einkommen.
Was passiert, wenn ich die Beiträge nicht mehr zahlen kann?
Nach einem Mahnverfahren landest du im Notlagentarif mit Notversorgung. Besser rechtzeitig über einen Tarifwechsel sprechen.
Kann ich als Selbstständiger zurück in die gesetzliche Kasse?
Unter 55 zum Beispiel über eine Anstellung unter der Einkommensgrenze. Ab 55 ist es praktisch nicht mehr möglich.