Private Krankenversicherung (PKV) für Beamte — sinnvoll?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Für die meisten Beamten ja. Dein Dienstherr übernimmt über die Beihilfe einen festen Anteil deiner Krankheitskosten, meist 50 %. Den Rest versicherst du mit einem Beihilfeergänzungstarif einer privaten Krankenversicherung. Weil der nur die Restkosten abdeckt, ist er in aller Regel deutlich günstiger als die gesetzliche Kasse, in der du als Beamter den vollen Beitrag allein zahlst.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Beihilfe statt Arbeitgeberzuschuss: Der Dienstherr zahlt einen Prozentsatz deiner Krankheitskosten.
- Faustregel beim Bund und in vielen Ländern: 50 % für dich, 70 % für Ehepartner und Pensionäre, 80 % für Kinder.
- Die PKV versichert nur den Rest, deshalb ist der Beitrag überschaubar.
- In der gesetzlichen Kasse zahlst du als Beamter in der Regel den vollen Beitrag ohne Zuschuss.
- Öffnungsaktion: in den ersten sechs Monaten nach der Verbeamtung Aufnahme trotz Vorerkrankungen.
- Freie Heilfürsorge (z. B. Polizei) endet mit dem Ruhestand, dann brauchst du eine PKV.
👉 So solltest du vorgehen
- Kläre, welcher Dienstherr zuständig ist und welche Beihilfesätze für dich und deine Familie gelten.
- Achte auf den Zeitpunkt: Die ersten sechs Monate nach der Verbeamtung sind die beste Gelegenheit.
- Gesundheitsfragen anhand der Krankenakte klären, Tarif passend zur Beihilfe wählen, dann erst den Antrag stellen.
Warum unterstützt dich der Dienstherr bei Krankheitskosten?
Weil er es muss. Der Staat hat gegenüber seinen Beamten eine Fürsorgepflicht, und die gilt auch bei Krankheit.
Beihilfe statt Arbeitgeberanteil
Angestellte bekommen einen Zuschuss zum Kassenbeitrag. Beamte bekommen stattdessen Beihilfe: Der Dienstherr erstattet einen festen Prozentsatz der tatsächlichen Krankheitskosten. Mehr: Beihilfe einfach erklärt
Beamte sind versicherungsfrei
Du musst nicht in die gesetzliche Krankenversicherung. Du musst aber krankenversichert sein, und das heißt praktisch: Beihilfe plus private Restkostenversicherung.
Wer davon profitiert
Beamte auf Widerruf, auf Probe und auf Lebenszeit, Richter und Pensionäre. Auch Ehepartner und Kinder können mitberücksichtigt werden.
Warum ist die PKV für Beamte nur eine Restkostenversicherung?
Weil die Beihilfe schon einen großen Teil trägt. Die PKV muss nur die Lücke schließen, die übrig bleibt.
So teilt sich eine Arztrechnung
Beispiel: Du bekommst eine Rechnung über 200 €. Bei einem Beihilfesatz von 50 % erstattet die Beihilfe 100 €, die anderen 100 € übernimmt dein privater Tarif. Voraussetzung: Die Leistung ist beihilfefähig und im Tarif versichert.
Warum das günstig ist
Der Versicherer trägt nur die Hälfte des Risikos, also ist auch der Beitrag entsprechend niedriger als bei einer Vollversicherung für Angestellte.
Kein Beitrag für die Familie im Paket
Anders als in der gesetzlichen Kasse hat jede Person einen eigenen Vertrag. Weil Kinder aber zu 80 % über die Beihilfe laufen, bleiben ihre Beiträge meist klein.
Was sind Beihilfeergänzungstarife?
Zusatzbausteine, die Leistungen abdecken, die die Beihilfe gar nicht oder nur teilweise zahlt.
Wo die Beihilfe Lücken hat
Je nach Dienstherr zum Beispiel bei Wahlleistungen im Krankenhaus (Chefarzt, Zweibettzimmer), bei Zahnersatz, Brillen, Heilpraktikern oder bei Kosten über bestimmten Höchstsätzen.
Was der Ergänzungstarif macht
Er springt dort ein, wo die Beihilfe weniger erstattet als ihren Prozentsatz. So bleibt am Ende möglichst wenig Eigenanteil an dir hängen. Was genau erstattet wird, steht in den Tarifbedingungen.
Brauche ich das?
Das hängt davon ab, wie großzügig deine Beihilfevorschriften sind. Die unterscheiden sich zwischen Bund und Ländern deutlich. Genau das schauen wir uns im Gespräch an.
Warum ist die gesetzliche Kasse für Beamte meist teuer?
Weil du den Beitrag komplett selbst zahlst. Einen Arbeitgeberanteil gibt es für Beamte in der gesetzlichen Kasse normalerweise nicht.
Voller Beitrag, keine Beihilfe dazu
Als freiwilliges Mitglied zahlst du den allgemeinen Beitragssatz plus Zusatzbeitrag allein, berechnet auf deine Bezüge. Die Beihilfe zahlt zur Kassenleistung praktisch nichts dazu.
Beispiel
Ein lediger Lehrer mit mittleren Bezügen zahlt in der gesetzlichen Kasse schnell ein Vielfaches dessen, was ein Beihilfetarif kostet. Die genaue Differenz hängt von Alter, Gesundheit und Bezügen ab.
Die Ausnahme: pauschale Beihilfe
Rund zehn Länder, z. B. Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und Sachsen, zahlen auf Antrag die Hälfte des Kassenbeitrags als pauschale Beihilfe. Der Bund und Bayern bieten sie nicht an. Dann kann die gesetzliche Kasse eine echte Option sein, vor allem bei Vorerkrankungen oder vielen Kindern. Mehr: Pauschale Beihilfe
Was bringt die Öffnungsaktion?
Sie ist der Grund, warum der Start der Verbeamtung der wichtigste Termin für deine Krankenversicherung ist.
Aufnahme trotz Vorerkrankungen
Die meisten privaten Krankenversicherer nehmen Beamte in den ersten sechs Monaten nach der erstmaligen Verbeamtung auch mit Vorerkrankungen auf. Bei den teilnehmenden Versicherern wird im beihilfekonformen Tarif niemand abgelehnt, und es gibt keine Leistungsausschlüsse.
Zuschläge sind gedeckelt
Ein Risikozuschlag ist möglich, aber auf höchstens 30 % begrenzt. Für viele mit chronischen Erkrankungen ist das die einzige Chance auf eine normale Absicherung.
Auch für die Familie
Ehepartner und Kinder können innerhalb der Frist mit aufgenommen werden. Mehr: Öffnungsaktion der PKV
💡 Tipp: Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte. Auch bei der Öffnungsaktion: Richtige Angaben schützen dich später im Leistungsfall.
Wie werden Ehepartner und Kinder versichert?
Über die Beihilfe mit höheren Sätzen, den Rest wieder über einen eigenen privaten Vertrag.
Ehepartner
Ehepartner sind nur berücksichtigungsfähig, solange ihr eigenes Einkommen unter einer Grenze bleibt. Dann gilt beim Bund und in vielen Ländern ein Satz von 70 %. Mehr: Beihilfe für Ehepartner
Kinder
Kinder bekommen in der Regel 80 % Beihilfe, solange sie im Familienzuschlag berücksichtigt werden. Der private Restkostentarif ist entsprechend günstig.
Wenn der Partner gesetzlich versichert ist
Kinder können dann oft auch in der Familienversicherung des Partners bleiben. Ob das sinnvoller ist, hängt vom Einkommen beider Eltern ab.
Kostenlose PKV-Checkliste für Beamte: vor dem Antrag
Zur kostenlosen Checkliste →Wie hoch ist die Beihilfe? Die Faustregel
Die Sätze regelt jeder Dienstherr selbst. Beim Bund und in vielen Ländern gilt diese Faustregel:
Was das für deinen Tarif heißt
Ändert sich dein Satz, zum Beispiel mit dem zweiten Kind oder im Ruhestand, muss der Tarif mitgehen. Mehr: Beihilfesätze Bund und Länder
Faustregel für Bund und viele Länder. Einzelne Länder weichen ab, etwa bei Pensionären oder beim Kinderzuschlag. Mehr: Beihilfesätze Bund und Länder.
| Person | Beihilfesatz | Rest über die PKV |
|---|---|---|
| Aktiver Beamter | 50 % | 50 % |
| Aktiver Beamter mit zwei oder mehr berücksichtigungsfähigen Kindern | 70 % | 30 % |
| Pensionär | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiger Ehepartner | 70 % | 30 % |
| Berücksichtigungsfähiges Kind | 80 % | 20 % |
Was gilt für Referendare, Anwärter und Heilfürsorge?
Wer noch in der Ausbildung ist oder freie Heilfürsorge bekommt, hat eigene Fragen. Die Antworten entscheiden oft über Jahrzehnte.
Referendare und Anwärter
Als Beamte auf Widerruf seid ihr beihilfeberechtigt. Viele Versicherer haben günstige Ausbildungstarife, die später bei der Verbeamtung auf Probe umgestellt werden.
Und wenn es mit der Verbeamtung nicht klappt?
Dann wirst du als Angestellter in der Regel wieder gesetzlich versichert. Wer später doch noch Beamter wird, freut sich über eine Anwartschaft.
Freie Heilfürsorge
Polizei und Bundeswehr bekommen ihre Behandlung oft direkt vom Dienstherrn. Das endet aber spätestens mit dem Ruhestand, und die Familie ist nicht mit drin. Mehr: Freie Heilfürsorge
Kleine oder große Anwartschaft — wann brauchst du welche?
Eine Anwartschaft friert deinen Gesundheitszustand ein. Du zahlst einen kleinen Beitrag und kannst später ohne neue Gesundheitsprüfung in die volle Versicherung.
Kleine Anwartschaft
Sichert deinen heutigen Gesundheitszustand. Beim späteren Einstieg wird der Beitrag aber nach dem dann erreichten Alter berechnet.
Große Anwartschaft
Sichert zusätzlich das Eintrittsalter und baut Altersrückstellungen auf. Sie kostet mehr, der spätere Beitrag ist aber niedriger. Sinnvoll, wenn die Pause lang ist, etwa bei Heilfürsorge bis zur Pension.
Typische Fälle
Freie Heilfürsorge, unsichere Verbeamtung nach dem Referendariat, Beurlaubung ohne Bezüge oder ein Wechsel in ein Angestelltenverhältnis auf Zeit. Mehr: Anwartschaftsversicherung
Worauf solltest du beim Tarif achten?
Der Beitrag ist nicht das wichtigste Kriterium. Wichtiger ist, dass der Tarif zu deiner Beihilfe passt, heute und später.
- Der Tarif passt sich an geänderte Beihilfesätze an, ohne neue Gesundheitsprüfung.
- Lücken deiner Beihilfevorschriften (Wahlleistungen, Zahnersatz, Hilfsmittel) sind geschlossen.
- Ambulante Leistungen auch über den Höchstsätzen der Gebührenordnung sind abgedeckt.
- Es gibt einen Ausbildungstarif, wenn du noch Anwärter bist.
- Die Beitragsentwicklung im Alter ist mitgedacht, nicht nur der Einstiegsbeitrag.
- Die Gesundheitsangaben sind vollständig und richtig.
Kann ich später noch wechseln?
Möglich ist es. Aber in der PKV ist Kündigen fast nie der erste Rat.
Altersrückstellungen gehen verloren
Wer den Versicherer wechselt, nimmt nur einen Teil der angesparten Rückstellungen mit. Der neue Beitrag startet mit dem höheren Alter und oft schlechterer Gesundheit.
Erst intern schauen
Oft ist ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherer die bessere Lösung, weil Rückstellungen und Gesundheitszustand erhalten bleiben.
Wenn doch gewechselt wird
Die Annahme des neuen Vertrags immer vor der Kündigung des alten. Ohne Nachweis einer Anschlussversicherung ist eine Kündigung ohnehin nicht wirksam.
Fazit: Ist die PKV für Beamte sinnvoll?
Für die meisten Beamten ist Beihilfe plus privater Restkostentarif die wirtschaftlich sinnvollere Lösung. Ausnahmen gibt es bei schweren Vorerkrankungen außerhalb der Öffnungsaktion oder bei vielen Kindern in Ländern mit pauschaler Beihilfe.
Was ich dir rate
Nutze den Start der Verbeamtung. Kläre die Beihilfesätze, geh die Gesundheitsfragen sauber durch und wähle einen Tarif, der auch im Ruhestand noch passt. Denk dabei auch an deine Arbeitskraft: Dienstunfähigkeitsversicherung
Wie ich arbeite
Ich bin Versicherungsvermittler (Fachmann für Versicherungsvermittlung IHK) und angestellt bei einer Agentur der Versicherungskammer Bayern. Ich berate mit deren Tarifen und bin kein Makler. Ich sage dir aber auch, worauf du bei jedem anderen Angebot achten solltest, und wenn dein bestehender Vertrag gut ist.
Häufig gestellte Fragen: PKV für Beamte
Müssen Beamte privat krankenversichert sein?
Nein, aber sie müssen krankenversichert sein. Weil die Beihilfe am besten zur privaten Versicherung passt, ist Beihilfe plus PKV für die meisten der Normalfall.
Wie viel kostet die PKV für Beamte?
Das hängt von Alter, Gesundheit, Beihilfesatz und Tarif ab. Weil nur die Restkosten versichert werden, ist der Beitrag meist deutlich niedriger als in der gesetzlichen Kasse.
Kann ich als Beamter in der gesetzlichen Kasse bleiben?
Ja, als freiwilliges Mitglied. Du zahlst dann aber in der Regel den vollen Beitrag allein, außer dein Land bietet die pauschale Beihilfe an.
Was passiert mit meiner PKV im Ruhestand?
Der Beihilfesatz steigt beim Bund und in vielen Ländern auf 70 %, der private Anteil sinkt entsprechend. Der Tarif sollte sich daran anpassen.
Was ist, wenn ich Vorerkrankungen habe?
Dann ist die Öffnungsaktion in den ersten sechs Monaten nach der Verbeamtung wichtig: Aufnahme ohne Ablehnung, Zuschläge gedeckelt. Wir klären die Gesundheitsfragen vorher anhand der Krankenakte.
Brauche ich als Polizist mit Heilfürsorge eine PKV?
Nicht sofort, aber für die Zeit nach dem Dienst. Eine Anwartschaft sichert dir heute den Gesundheitszustand für später.