Pauschale Beihilfe: Wann lohnt sich die gesetzliche Kasse für Beamte?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Bei der pauschalen Beihilfe zahlt dir dein Dienstherr statt der individuellen Beihilfe die Hälfte deines Krankenversicherungsbeitrags, ähnlich wie ein Arbeitgeber. Nicht jeder Dienstherr bietet sie an: Hamburg hat damit angefangen, der Bund und Bayern haben sie nicht. Sie kann sich bei Vorerkrankungen, vielen Kindern oder niedrigen Bezügen lohnen. Die Entscheidung ist in der Regel endgültig.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Pauschale Beihilfe = Zuschuss in Höhe des halben Versicherungsbeitrags statt Kostenerstattung.
- Eingeführt zuerst in Hamburg, heute in rund zehn Ländern. Der Bund und Bayern bieten sie nicht an.
- Sie gilt meist für die gesetzliche Kasse und für private Vollversicherungen.
- Die Wahl ist in der Regel unwiderruflich.
- Lohnt sich eher bei Vorerkrankungen, mehreren Kindern oder Teilzeit.
Was ist die pauschale Beihilfe?
Ein anderes Modell der Fürsorge: Statt dir einen Prozentsatz jeder Rechnung zu erstatten, zahlt der Dienstherr einen festen Zuschuss zu deinem Versicherungsbeitrag.
Der Unterschied zur klassischen Beihilfe
Klassisch bekommst du beim Bund und in vielen Ländern 50 % deiner Krankheitskosten erstattet und versicherst den Rest privat. Mehr: Beihilfe einfach erklärt
Wo es sie gibt
Hamburg hat das Modell 2018 eingeführt. Stand 2026 gibt es sie unter anderem in Bremen, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, in Schleswig-Holstein nur eingeschränkt. Der Bund und Bayern bieten weiterhin nur die klassische Beihilfe an. Ob dein Dienstherr sie anbietet, erfährst du bei deiner Personalstelle.
Wie funktioniert sie?
Du stellst einen Antrag und entscheidest dich damit gegen die individuelle Beihilfe.
Gesetzlich versichert
Du bist freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Kasse. Der Dienstherr übernimmt die Hälfte des Beitrags, die andere Hälfte zahlst du. Damit gilt fast das Gleiche wie für Angestellte.
Privat vollversichert
Je nach Land kann die pauschale Beihilfe auch zu einer privaten Vollversicherung gezahlt werden. Die Höhe des Zuschusses ist dann in der Regel begrenzt.
Keine Erstattung mehr pro Rechnung
Wer die Pauschale wählt, bekommt für Arztrechnungen keine individuelle Beihilfe mehr.
Für wen lohnt sie sich?
Für alle, bei denen die private Restkostenversicherung teuer oder schwer zu bekommen ist.
- Beamte mit Vorerkrankungen, die die Öffnungsaktion verpasst haben
- Familien mit mehreren Kindern und einem Partner ohne eigenes Einkommen, die alle familienversichert werden können
- Beamte in Teilzeit oder mit niedrigen Bezügen, weil der Kassenbeitrag einkommensabhängig ist
- Spät verbeamtete Menschen, die schon lange gesetzlich versichert sind
Für wen lohnt sie sich eher nicht?
Für junge, gesunde Beamte mit mittleren oder höheren Bezügen ist die klassische Beihilfe plus privater Tarif meist günstiger.
Warum
Der private Restkostentarif ist bei guter Gesundheit und jungem Eintrittsalter oft günstiger als der halbe Kassenbeitrag. Dazu kommen die Leistungen der privaten Versicherung.
Der Blick nach vorn
Im Ruhestand steigt die klassische Beihilfe nach der Faustregel auf 70 %. Ob die pauschale Beihilfe dann weiterläuft und wie sie sich rechnet, hängt vom Land ab.
Vergleich
Die ganze Abwägung zwischen beiden Welten: PKV für Beamte
Kostenlose PKV-Checkliste für Beamte: vor dem Antrag
Zur kostenlosen Checkliste →Kann ich später zurück?
In der Regel nicht. Die Entscheidung für die pauschale Beihilfe gilt meist für die gesamte weitere Laufbahn.
Unwiderruflich
Wer die Pauschale wählt, kann bei den meisten Dienstherren nicht mehr zur individuellen Beihilfe zurück. Deshalb sollte die Entscheidung gut gerechnet sein.
Wechsel des Dienstherrn
Wechselst du in ein Land oder zum Bund ohne pauschale Beihilfe, kann es kompliziert werden. Dann gilt dort wieder die klassische Beihilfe, und die gesetzliche Kasse musst du ohne Zuschuss zahlen.
Bestehende private Verträge
Wer schon privat versichert ist, sollte nicht vorschnell kündigen. Altersrückstellungen gehen verloren. Annahme des neuen Vertrags immer vor der Kündigung des alten.
Wie triffst du die Entscheidung?
Mit einer ehrlichen Rechnung für heute und für später, nicht mit dem Bauchgefühl.
Was auf den Tisch muss
Deine Bezüge und Perspektive, dein Gesundheitszustand, Partner und Kinder, der Beitrag im privaten Beihilfetarif und die Regeln deines Landes für den Ruhestand.
Gesundheitsfragen zuerst
Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte. Erst dann weißt du, ob die private Seite überhaupt realistisch ist.
Fazit: Pauschale Beihilfe ja oder nein?
Die pauschale Beihilfe ist eine gute Lösung für Beamte mit Vorerkrankungen, großen Familien oder niedrigen Bezügen. Für junge, gesunde Beamte bleibt die klassische Beihilfe meist die bessere Wahl.
Mein Rat
Entscheide nicht unter Zeitdruck in der ersten Woche. Rechne beide Wege durch und beachte die Frist der Öffnungsaktion, damit dir die private Seite nicht verloren geht.
Häufig gestellte Fragen: Pauschale Beihilfe
Was ist die pauschale Beihilfe?
Ein Zuschuss des Dienstherrn in Höhe der Hälfte deines Krankenversicherungsbeitrags, statt der Erstattung einzelner Rechnungen.
Welche Länder bieten die pauschale Beihilfe an?
Hamburg hat damit 2018 angefangen, heute sind es rund zehn Länder, etwa Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen. Der Bund und Bayern nicht. Ob dein Dienstherr sie anbietet, erfährst du bei deiner Personalstelle.
Kann ich von der pauschalen Beihilfe zurück zur normalen Beihilfe?
In der Regel nicht. Die Entscheidung gilt meist dauerhaft.
Lohnt sich die pauschale Beihilfe für junge Beamte?
Bei guter Gesundheit meist nicht. Dann ist die klassische Beihilfe mit privatem Restkostentarif oft günstiger.
Gilt die pauschale Beihilfe auch für die PKV?
Je nach Land auch für eine private Vollversicherung, meist mit begrenzter Zuschusshöhe.