Versicherungen für Berufsstarter — die richtige Reihenfolge
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Zuerst die Risiken, die dich ruinieren können: Haftpflicht und Arbeitskraft. Die Krankenversicherung ist ohnehin Pflicht. Altersvorsorge und betriebliche Altersvorsorge kommen danach, am besten mit dem Geld, das der Arbeitgeber dazugibt. Handy-, Reisegepäck- und Sparversicherungen brauchst du am Anfang nicht.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Pflicht: Krankenversicherung. Die Familienversicherung endet mit dem eigenen sozialversicherungspflichtigen Job.
- Zuerst: eigene Haftpflicht, falls die Mitversicherung bei den Eltern endet.
- Zuerst: Berufsunfähigkeitsversicherung, solange du jung und gesund bist.
- Später: Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge mit Zuschuss des Arbeitgebers.
- Nicht nötig: Handy-, Brillen-, Reisegepäck- oder Kapitallebensversicherung.
👉 So solltest du vorgehen
- Prüfe, was du schon hast: Verträge der Eltern, Verträge aus der Ausbildung.
- Sichere zuerst Haftpflicht und Arbeitskraft ab.
- Dann Altersvorsorge starten, mit Arbeitgeberzuschuss und in einem Tempo, das zu deinem Gehalt passt.
Welche Versicherung ist Pflicht?
Die Krankenversicherung. Sobald du sozialversicherungspflichtig arbeitest, bist du in der Regel selbst gesetzlich versichert.
Familienversicherung endet
Mit dem eigenen Job bist du nicht mehr bei den Eltern mitversichert. Du wählst deine eigene Krankenkasse, der Arbeitgeber meldet dich an.
Privat versichern?
Als Angestellter erst, wenn dein Gehalt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Die Grenze wird jährlich neu festgelegt. Mehr: Privat oder gesetzlich?
Brauche ich jetzt eine eigene Haftpflicht?
Oft ja. Viele sind bis zum Ende der ersten Ausbildung über die Eltern mitversichert. Danach nicht mehr.
Wann die Mitversicherung endet
Das regelt der Vertrag der Eltern. Häufig mit dem Ende der ersten Ausbildung oder eines direkt anschließenden Studiums, manchmal mit dem Auszug.
Warum sie an erster Stelle steht
Du haftest für Schäden an anderen ohne Obergrenze. Die Haftpflicht kostet wenig und schützt vor dem Ruin. Mehr: Private Haftpflichtversicherung
Warum ist die Arbeitskraft so früh wichtig?
Weil sie dein größtes Vermögen ist, und weil sie nie wieder so günstig zu versichern ist wie am Anfang.
Der Staat zahlt wenig
Eine Erwerbsminderungsrente setzt in der Regel Mindestversicherungszeiten voraus, und sie fragt nicht nach deinem Beruf, sondern ob du überhaupt noch arbeiten kannst. Sie liegt meist deutlich unter dem bisherigen Einkommen.
Jung und gesund abschließen
Alter und Gesundheit bestimmen den Beitrag für die ganze Laufzeit. Mit jeder Diagnose wird es schwieriger. Wir klären die Gesundheitsfragen vor jedem Antrag gemeinsam und in Ruhe, anhand der Krankenakte.
Mitwachsen lassen
Mit einer Nachversicherungsgarantie erhöhst du die Rente später bei Gehaltssprüngen ohne neue Gesundheitsprüfung. Mehr: BU für Azubis
💡 Tipp: Einsteigertarife starten mit einem niedrigeren Beitrag, der später steigt. Das passt gut zum ersten Gehalt.
Wann sollte ich mit der Altersvorsorge anfangen?
Früh, aber nicht auf Kosten der Absicherung. Wer mit kleinen Beträgen anfängt, hat die Zeit auf seiner Seite.
Erst absichern, dann sparen
Eine Altersvorsorge hilft nichts, wenn du mit 30 berufsunfähig wirst und die Beiträge nicht mehr zahlen kannst.
Klein anfangen, steigern
Lieber einen Betrag, den du auch in knappen Monaten zahlen kannst, und später erhöhen.
Die Lücke kennen
Wie groß deine Rentenlücke später ist, lässt sich grob abschätzen. Mehr: Rentenlücke berechnen
Lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge?
Oft ja, vor allem wegen des Geldes vom Arbeitgeber. Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Entgeltumwandlung.
Zuschuss des Arbeitgebers
Spart der Arbeitgeber durch deine Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge, muss er in der Regel 15 % des umgewandelten Betrags zuschießen. Viele geben freiwillig mehr.
Was du wissen solltest
Im Alter sind die Renten steuer- und oft beitragspflichtig. Bei einem Jobwechsel muss der Vertrag mitgenommen oder fortgeführt werden. Mehr: Betriebliche Altersvorsorge
Riester als Ergänzung
Mit Grundzulage von 175 € im Jahr und einem einmaligen Berufseinsteigerbonus für junge Sparer. Ob sich das lohnt, hängt von deiner Lage ab. Mehr: Riester-Rente
Welche Versicherungen brauchst du am Anfang nicht?
Am Anfang ist das Geld knapp. Also weg mit allem, was keine existenzielle Lücke schließt.
- Handy- und Elektronikversicherung: teuer im Verhältnis zum Schaden.
- Reisegepäckversicherung: viele Ausschlüsse, geringe Summen.
- Kapitallebensversicherung: Absicherung und Sparen lieber trennen.
- Unfallversicherung statt BU: deckt keine Krankheiten ab.
- Rechtsschutz, bevor Haftpflicht und BU stehen.
Und was ist mit Auto, Hausrat und Rechtsschutz?
Alles keine schlechten Versicherungen. Sie kommen nur nach den existenziellen Risiken.
Auto
Wer ein Auto hat, braucht die Kfz-Haftpflicht, sie ist Pflicht. Ob Teil- oder Vollkasko dazu kommt, hängt vom Wert des Autos ab.
Hausrat
Sinnvoll, wenn deine Einrichtung einen Wert hat, den du nicht einfach ersetzen kannst. Mit gebrauchten Möbeln oft noch nicht nötig.
Rechtsschutz
Kann bei Streit mit dem Arbeitgeber oder Vermieter helfen. Achte auf Wartezeiten, und schließe ihn nicht, bevor Haftpflicht und Arbeitskraft abgesichert sind.
Checkliste: Was Berufsstarter jetzt erledigen sollten
Einmal durchgehen, abhaken, fertig.
- Krankenkasse wählen und dem Arbeitgeber melden.
- Bei den Eltern nachfragen, ob du in Haftpflicht und anderen Verträgen noch mitversichert bist.
- Eigene Haftpflicht abschließen, sobald die Mitversicherung endet.
- Berufsunfähigkeitsversicherung klären, Gesundheitsfragen vorher mit der Krankenakte vorbereiten.
- Beim Arbeitgeber nach betrieblicher Altersvorsorge und Zuschuss fragen.
- Einen kleinen Notgroschen aufbauen, bevor langfristig gespart wird.
- Bestehende Verträge aus der Ausbildung prüfen lassen, bevor du etwas Neues abschließt.
💡 Tipp: Du ziehst mit dem Job in die erste eigene Wohnung? Dann lies auch Erste eigene Wohnung.
Fazit: In dieser Reihenfolge absichern
Krankenversicherung ist Pflicht. Dann Haftpflicht und Arbeitskraft. Dann Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss. Alles andere hat Zeit.
So gehen wir vor
Ich schaue, was du schon hast, auch über die Eltern, sage dir, was fehlt und was nicht nötig ist, und wir setzen es in einem Tempo um, das zu deinem Gehalt passt. Den Überblick gibt der Vorsorge-Check.
Häufig gestellte Fragen: Versicherungen für Berufsstarter
Welche Versicherungen brauche ich nach der Ausbildung?
Eine eigene Haftpflicht, sobald die Mitversicherung bei den Eltern endet, und eine Absicherung der Arbeitskraft. Die Krankenversicherung ist Pflicht.
Bin ich nach der Ausbildung noch bei meinen Eltern haftpflichtversichert?
Oft nicht. Viele Verträge versichern Kinder nur bis zum Ende der ersten Ausbildung oder eines direkt anschließenden Studiums.
Lohnt sich eine BU als Berufseinsteiger?
Ja, weil Alter und Gesundheit den Beitrag für die ganze Laufzeit bestimmen. Früher ist günstiger und einfacher.
Muss mein Arbeitgeber etwas zur Betriebsrente dazugeben?
Bei Entgeltumwandlung in der Regel 15 % des umgewandelten Betrags, soweit er Sozialversicherungsbeiträge spart.
Wie viel sollte ich als Berufsstarter für Versicherungen ausgeben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Wichtig ist die Reihenfolge: erst existenzielle Risiken, dann Vorsorge in einem Tempo, das du durchhältst.