Riester-Rente — sinnvoll? (2026)
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge mit Zulagen und möglichem Steuervorteil. Für Familien mit Kindern lohnt sie sich oft, weil die Kinderzulagen einen großen Teil des Beitrags tragen. Für Singles ohne Kinder mit mittlerem Einkommen muss man genau rechnen: Kosten und Garantien bremsen die Rendite.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Grundzulage 175 € im Jahr, Kinderzulage 300 € (Geburt ab 2008) oder 185 € (vor 2008). Das gilt für Riester-Verträge nach bisherigem Recht.
- Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 € für unter 25-Jährige.
- Volle Zulage bei einem Eigenbeitrag von 4 % des Vorjahresbruttos, maximal 2.100 € inklusive Zulagen.
- Sockelbeitrag: mindestens 60 € im Jahr.
- Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Sonderausgabenabzug mehr bringt als die Zulagen.
- Kündigen ist förderschädlich: Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden.
- Die Reform ist beschlossen: Ab 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot, neue Riester-Verträge sind nur noch bis Ende 2026 möglich. Bestehende Verträge haben Bestandsschutz.
👉 So solltest du vorgehen
- Hast du einen Riester-Vertrag? Prüf zuerst, ob du wirklich alle Zulagen bekommst.
- Lass Kosten, Rentenfaktor und Anlage im kostenlosen Riester-Check ansehen, bevor du etwas änderst.
- Erst dann entscheiden: weiterzahlen, ruhen lassen oder Anbieter wechseln. Kündigen ist fast nie der erste Schritt.
Wie funktioniert die Riester-Rente?
Du zahlst einen Eigenbeitrag in einen zertifizierten Vertrag, der Staat legt Zulagen dazu. Ab Rentenbeginn bekommst du eine lebenslange Rente.
Zweite Schicht der Altersvorsorge
Riester gehört wie die betriebliche Altersvorsorge zur geförderten Zusatzvorsorge. Eingeführt wurde sie 2002, um das sinkende Rentenniveau auszugleichen.
Vertragsarten
Riester gibt es als Rentenversicherung, Fondssparplan, Banksparplan und als Wohn-Riester für die eigene Immobilie.
Beitragsgarantie
Zum Rentenbeginn müssen mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung stehen. Das gibt Sicherheit, kostet aber Rendite.
Auszahlung
Frühestens ab 62 (Verträge ab 2012). Bis zu 30 % können zu Beginn als Einmalbetrag ausgezahlt werden, der Rest fließt als lebenslange Rente.
Welche Zulagen gibt es bei der Riester-Rente?
Die Zulagen sind das Herzstück. Sie fließen direkt in deinen Vertrag.
Mehr zu den Zulagen
Wer welche Zulage bekommt und wie du sie nicht verschenkst: Riester-Zulagen
Wer weniger als den Mindesteigenbeitrag zahlt, bekommt die Zulagen nur anteilig.
| Zulage | Höhe pro Jahr | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 € | förderberechtigt, Mindesteigenbeitrag gezahlt |
| Kinderzulage (Geburt ab 2008) | 300 € je Kind | Kindergeldanspruch |
| Kinderzulage (Geburt vor 2008) | 185 € je Kind | Kindergeldanspruch |
| Berufseinsteigerbonus | einmalig 200 € | unter 25 Jahre zu Beginn des Beitragsjahres |
Wie viel muss ich selbst einzahlen?
Für die volle Zulage brauchst du den Mindesteigenbeitrag. Er ist einfacher zu berechnen, als er klingt.
4 % vom Vorjahresbrutto
Insgesamt sollen 4 % deines beitragspflichtigen Vorjahreseinkommens in den Vertrag fließen, maximal 2.100 € im Jahr. Die Zulagen zählen dabei mit.
Beispiel
Beispiel: 35.000 € Vorjahresbrutto, ein Kind geboren nach 2008. 4 % sind 1.400 €. Davon ziehst du 175 € Grundzulage und 300 € Kinderzulage ab. Dein Eigenbeitrag: 925 € im Jahr, also rund 77 € im Monat.
Sockelbeitrag
Mindestens 60 € im Jahr musst du immer selbst zahlen, auch wenn die Zulagen den Mindesteigenbeitrag schon decken. Das betrifft vor allem Familien mit geringem Einkommen.
💡 Tipp: Dein Einkommen ändert sich, dein Riester-Beitrag nicht automatisch. Prüf einmal im Jahr, ob der Beitrag noch passt, sonst werden die Zulagen gekürzt.
Was ist die Günstigerprüfung?
Neben den Zulagen kannst du Riester-Beiträge bis 2.100 € im Jahr als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt rechnet dann automatisch, was mehr bringt.
So läuft sie ab
Du gibst die Anlage AV mit der Steuererklärung ab. Das Finanzamt vergleicht die Zulagen mit der Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug.
Was dabei herauskommt
Ist die Steuerersparnis höher, bekommst du die Differenz zusätzlich über die Steuererstattung. Die Zulagen bleiben trotzdem im Vertrag.
Für wen das zählt
Vor allem für Gutverdienende ohne Kinder. Bei Familien mit mehreren Kindern sind meist die Zulagen günstiger.
Was ist der Dauerzulagenantrag?
Mit dem Dauerzulagenantrag beantragt dein Anbieter die Zulagen jedes Jahr automatisch für dich.
Einmal stellen, dann läuft es
Ohne Dauerzulagenantrag musst du die Zulagen jedes Jahr selbst beantragen, und zwar innerhalb von zwei Jahren nach Ablauf des Beitragsjahres.
Auch der Ehepartner
Ist dein Ehepartner mittelbar förderberechtigt, braucht auch sein Vertrag einen Dauerzulagenantrag. Sonst bleibt seine Grundzulage liegen.
Änderungen melden
Neues Kind, Kindergeld weggefallen, Heirat, Scheidung, Jobwechsel ins Beamtenverhältnis: Das musst du dem Anbieter selbst mitteilen. Sonst drohen Rückforderungen.
Kostenlose Riester-Checkliste: bekommst du alle Zulagen?
Zur kostenlosen Checkliste →Wer ist förderberechtigt?
Nicht jeder bekommt Riester-Zulagen. Es gibt unmittelbar und mittelbar Förderberechtigte.
Unmittelbar förderberechtigt
Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung: Angestellte, Auszubildende, Minijobber mit Rentenversicherungspflicht, Eltern in Erziehungszeiten, Arbeitslose mit Leistungsbezug. Dazu Beamte, wenn sie der Datenweitergabe durch den Dienstherrn zustimmen.
Mittelbar förderberechtigt
Ehepartner und eingetragene Lebenspartner von unmittelbar Förderberechtigten, wenn sie einen eigenen Vertrag haben und mindestens 60 € im Jahr einzahlen.
Nicht förderberechtigt
Selbstständige ohne Rentenversicherungspflicht und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke. Für sie ist bisher eher die Rürup-Rente gedacht. Mit der Reform sollen sie ab 2027 in der neuen geförderten Vorsorge ebenfalls förderberechtigt werden.
Ist die Riester-Rente sinnvoll?
Ehrlich: Es kommt stark auf deine Situation an. Pauschal „Riester ist tot“ stimmt genauso wenig wie „Riester lohnt sich immer“.
Oft sinnvoll: Familien mit Kindern
Mit zwei Kindern nach 2008 kommen 775 € Zulagen im Jahr zusammen. Bei kleinem und mittlerem Einkommen trägt der Staat damit einen großen Teil des Beitrags.
Oft sinnvoll: Geringverdiener
Wenig Eigenbeitrag, volle Grundzulage. Die Förderquote ist hoch.
Genau prüfen: Singles ohne Kinder
Hier ist die Förderung kleiner. Ob sich der Vertrag rechnet, hängt vor allem an Kosten, Anlage und Steuersatz.
Genau prüfen: Gutverdiener
Durch die Günstigerprüfung kann der Steuervorteil die Zulagen übersteigen. Weil die Rente später voll versteuert wird, hängt das Ergebnis am Steuersatz im Alter.
Genau prüfen: kurze Restlaufzeit
Wer spät einsteigt, hat wenig Zeit für Rendite, aber trotzdem die vollen Abschlusskosten.
Worauf solltest du achten?
Bei Riester trennen sich gute und schlechte Verträge vor allem an drei Stellen.
Kosten
Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten fressen bei kleinen Beiträgen schnell einen spürbaren Teil der Zulagen. Mehr: Kosten der Rentenversicherung
Rentenfaktor
Er entscheidet, wie viel Rente dein Kapital später bringt. Ein niedriger oder nicht garantierter Rentenfaktor kann viel kosten. Mehr: Rentenfaktor
Anlage
Bei langer Laufzeit sind fondsgebundene Verträge mit einer vernünftigen Aktienquote meist chancenreicher als klassische. Banksparpläne bringen wenig Rendite, sind aber kostengünstig.
Garantie bremst Rendite
Die Beitragsgarantie zwingt Anbieter, einen großen Teil sicher anzulegen. Bei langer Laufzeit bleibt dadurch Rendite liegen.
Wie wird die Riester-Rente versteuert?
Nachgelagert. Weil Beiträge und Zulagen in der Ansparphase gefördert wurden, ist die Rente im Alter steuerpflichtig.
Voll steuerpflichtig
Leistungen aus geförderten Beiträgen werden mit deinem persönlichen Steuersatz im Alter versteuert. Der ist meist niedriger als heute.
Kranken- und Pflegeversicherung
Wer in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert ist, zahlt auf eine private Riester-Rente keine Beiträge. Freiwillig gesetzlich Versicherte schon.
Die Teilauszahlung
Auch die bis zu 30 % Einmalzahlung zu Rentenbeginn ist steuerpflichtig. Wer sie nimmt, sollte das mit der Steuerberatung abstimmen, weil sie in einem Jahr gebündelt versteuert wird.
Kann ich den Riester-Anbieter wechseln?
Ja. Das Guthaben lässt sich förderunschädlich auf einen anderen zertifizierten Riester-Vertrag übertragen.
Wann das sinnvoll ist
Wenn der alte Vertrag sehr teuer ist oder die Anlage nicht mehr passt. Beachte: Im neuen Vertrag entstehen wieder Abschlusskosten, der alte Anbieter darf Wechselkosten verlangen.
Reihenfolge
Annahme des neuen Vertrags immer vor der Kündigung des alten. Erst wenn der neue Vertrag steht, wird das Guthaben übertragen.
Kündigen ist etwas anderes
Eine echte Kündigung mit Auszahlung ist förderschädlich. Was das kostet: Riester-Rente kündigen?
Was ändert sich mit der Riester-Reform?
Das Altersvorsorgereformgesetz ist 2026 von Bundestag und Bundesrat beschlossen worden. Ab 1. Januar 2027 gibt es neue geförderte Produkte, darunter das Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie. Einzelheiten der Umsetzung, etwa zu Kosten und Anbietern, stehen teilweise noch aus.
Was das für bestehende Verträge heißt
Bestehende Riester-Verträge haben Bestandsschutz und laufen mit der bisherigen Förderung weiter. Wer möchte, kann in die neue Förderung wechseln, ohne die bisherige Förderung zurückzuzahlen. Ein Zurück ins alte System gibt es dann nicht.
Neue Förderung ab 2027
Grundzulage: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 € Eigenbeitrag und 25 Cent je Euro auf weitere bis zu 1.440 €, zusammen höchstens 540 € im Jahr. Kinderzulage: 1 € je eingezahltem Euro bis 300 € je Kind. Berufseinsteigerbonus weiter 200 €. Mindestbeitrag 120 € im Jahr.
Neuabschluss eines Riester-Vertrags
Neue Riester-Verträge nach altem Recht können nur noch bis 31.12.2026 abgeschlossen werden. Wer jetzt über einen Neuabschluss nachdenkt, sollte die neuen Produkte ab 2027 in den Vergleich einbeziehen.
Warum das kein Grund zur Panik ist
Die Reform ist kein Grund, einen laufenden Vertrag vorschnell zu kündigen. Eine Kündigung kostet die Förderung, ein Wechsel in die neue Förderung dagegen nicht.
Fazit: Lohnt sich die Riester-Rente?
Für Familien mit Kindern und kleinere Einkommen oft ja. Für alle anderen hängt es am konkreten Vertrag.
Das Wichtigste
Zulagen voll abholen, Kosten und Rentenfaktor kennen, nicht vorschnell kündigen. Bei bestehendem Vertrag gilt: erst prüfen, dann entscheiden.
Mein Angebot
Ich schaue mir deinen Riester-Vertrag kostenlos an. Wenn er gut ist, sage ich dir das, und du zahlst weiter. Mehr: Altersvorsorge-Beratung
Häufig gestellte Fragen: Riester-Rente
Lohnt sich Riester 2026 noch?
Ein bestehender Vertrag für Familien mit Kindern und kleinere Einkommen oft ja, weil die Zulagen einen großen Teil tragen. Ohne Kinder hängt es stark an Kosten und Anlage. Neue Riester-Verträge sind nur noch bis Ende 2026 möglich, ab 2027 gibt es die reformierte Förderung.
Wie viel muss ich in Riester einzahlen, um die volle Zulage zu bekommen?
4 % deines Vorjahresbruttos, maximal 2.100 € im Jahr, abzüglich der Zulagen. Mindestens 60 € im Jahr.
Bekommen Beamte Riester-Zulagen?
Ja, wenn sie der Datenweitergabe durch den Dienstherrn zustimmen.
Was passiert, wenn ich meinen Riester-Vertrag kündige?
Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden. Ruhen lassen oder Anbieterwechsel sind meist besser.
Kann ich mir die Riester-Rente auszahlen lassen?
Zu Rentenbeginn bis zu 30 % als Einmalbetrag, der Rest wird als lebenslange Rente gezahlt.
Was passiert mit Riester, wenn ich sterbe?
Das Guthaben kann förderunschädlich auf den Riester-Vertrag des Ehepartners übertragen werden. Sonst gehen die Förderungen verloren, der Rest geht an die Erben.
Wird Riester abgeschafft?
Neue Riester-Verträge gibt es nur noch bis Ende 2026. Ab 2027 folgt die reformierte Förderung mit dem Altersvorsorgedepot. Bestehende Verträge haben Bestandsschutz und laufen weiter.
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