Prognosezeitraum in der BU: Was bedeuten die 6 Monate?
Jonas Schaller · Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK) · aktualisiert am 17. September 2026
Kurz gesagt: Der Prognosezeitraum legt fest, wie lange die Berufsunfähigkeit voraussichtlich dauern muss, damit die BU zahlt. Bei guten Verträgen sind das sechs Monate. Zusätzlich gilt meist: Bist du schon sechs Monate ununterbrochen berufsunfähig, wird das so behandelt, als hätte es von Anfang an festgestanden, und die Rente fließt rückwirkend.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Standard bei guten Verträgen: Prognose über sechs Monate.
- Ältere Verträge verlangen teils eine Prognose über drei Jahre oder „auf Dauer“.
- Die Prognose stellen Ärzte, nicht du und nicht der Versicherer allein.
- Rückwirkende Leistung ab Beginn der Berufsunfähigkeit ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
- Verspätete Meldung darf bei guten Verträgen nicht zum Verlust der Rente führen.
Was ist der Prognosezeitraum?
Ein Blick nach vorne: Ärzte schätzen ein, wie lange du deinen Beruf voraussichtlich zu mindestens 50 % nicht ausüben kannst.
Sechs Monate sind der Maßstab
Erwarten die Ärzte, dass der Zustand mindestens sechs Monate anhält, bist du im Sinne eines guten Vertrags berufsunfähig. Grundlagen: Berufsunfähigkeitsversicherung
Es geht um „voraussichtlich“
Niemand kann die Zukunft sicher vorhersagen. Es reicht, dass die Prognose medizinisch gut begründet ist.
Warum das wichtig ist
Je kürzer der Prognosezeitraum, desto früher und leichter kommst du an deine Rente. Eine Prognose über drei Jahre ist deutlich schwerer zu belegen.
Wie unterscheiden sich alte und neue Regelungen?
Wer einen älteren Vertrag hat, sollte hier genau lesen.
Welche Regelung gilt, steht in deinen Versicherungsbedingungen im Abschnitt zur Definition der Berufsunfähigkeit.
| Regelung | Was sie verlangt | Einordnung |
|---|---|---|
| Sechs Monate | Voraussichtlich mindestens sechs Monate berufsunfähig | Heute Standard bei guten Verträgen |
| Drei Jahre | Voraussichtlich mindestens drei Jahre berufsunfähig | In älteren Verträgen zu finden, deutlich strenger |
| Auf Dauer | Voraussichtlich dauerhaft berufsunfähig | Sehr streng, Prognose schwer zu stellen |
Was passiert, wenn keine Prognose möglich ist?
Oft wissen Ärzte am Anfang nicht, wie lange es dauert. Dafür gibt es eine zweite Regel.
Sechs Monate tatsächlich berufsunfähig
Gute Verträge sagen: Warst du sechs Monate ununterbrochen zu mindestens 50 % berufsunfähig, gilt die Berufsunfähigkeit ab Beginn als eingetreten. Du musst die Prognose also nicht mehr beweisen.
Rente rückwirkend
Die Rente wird dann rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit gezahlt, nicht erst ab dem siebten Monat.
Beispiel: Burnout
Beispiel: Ein Lehrer fällt im Januar mit schwerer Erschöpfung aus. Im Juli ist klar, dass es weiter dauert. Die Leistung beginnt rückwirkend ab Januar, sofern sein Vertrag das so regelt. Mehr: BU nach Psychotherapie
Was, wenn du die Berufsunfähigkeit zu spät meldest?
Wer krank ist, denkt nicht zuerst an den Versicherer. Das sollte dich nicht Geld kosten.
Gute Verträge zahlen trotzdem rückwirkend
Viele heutige Bedingungen leisten auch bei verspäteter Meldung ab Beginn der Berufsunfähigkeit, teils innerhalb einer bestimmten Frist.
Ältere Verträge sind strenger
Manche zahlen erst ab dem Monat der Meldung. Dann ist jeder Monat Warten verlorenes Geld.
Deshalb früh melden
Lieber einmal zu früh beim Versicherer melden als zu spät. Wie das abläuft: BU-Rente beantragen
Was hat das mit der Arbeitsunfähigkeitsklausel zu tun?
Die AU-Klausel ist eine Ergänzung, die manche Verträge anbieten. Sie ersetzt den Prognosezeitraum nicht.
Zahlung schon bei Krankschreibung
Mit einer AU-Klausel zahlt der Versicherer für eine begrenzte Zeit, wenn du länger krankgeschrieben bist, ohne dass die BU schon festgestellt ist.
Zeitlich begrenzt
Die Leistung aus der AU-Klausel ist befristet. Danach entscheidet die normale BU-Prüfung.
Nützlich, aber kein Muss
Sie überbrückt die Zeit der Leistungsprüfung. Ob sie sich für dich lohnt, hängt von Beruf, Rücklagen und Krankentagegeld ab.
Kostenlose BU-Checkliste: 12 Fragen an deinen Vertrag
Zur kostenlosen Checkliste →Worauf kommt es in der Praxis an?
Die beste Klausel hilft nichts, wenn die Unterlagen fehlen.
Wenn die Ärzte sich nicht festlegen
Das ist häufig, gerade bei psychischen Erkrankungen. Dann hilft die Sechs-Monats-Regel: Dokumentiere den Verlauf lückenlos, damit sich später belegen lässt, seit wann du berufsunfähig bist.
Wenn es dir wieder besser geht
Auch das ist möglich. Der Versicherer darf später nachprüfen, ob die Voraussetzungen noch vorliegen. Eine Besserung ist gut, und die Rente endet dann nach den Regeln deines Vertrags.
- Ärzte um einen Befundbericht bitten, der die voraussichtliche Dauer ausdrücklich nennt.
- Genau beschreiben, welche Tätigkeiten deines Berufs du nicht mehr schaffst.
- Krankschreibungen, Klinikberichte und Therapienachweise lückenlos sammeln.
- Datum des Beginns der Beschwerden festhalten.
Fazit: Wie wichtig ist der Prognosezeitraum?
Sehr. Sechs Monate Prognose plus rückwirkende Leistung sind Pflicht für eine gute BU.
Bestehenden Vertrag prüfen lassen
Steht in deinem Vertrag noch „drei Jahre“ oder „auf Dauer“? Der BU-Check zeigt es dir.
Neu absichern
In der BU-Beratung gehen wir die Definition der Berufsunfähigkeit Satz für Satz durch.
Häufig gestellte Fragen: Prognosezeitraum
Wie lange muss ich krank sein, damit die BU zahlt?
Bei guten Verträgen reicht eine ärztliche Prognose über sechs Monate. Alternativ sechs Monate tatsächliche Berufsunfähigkeit.
Zahlt die BU dann erst ab dem siebten Monat?
Nein. Gute Verträge zahlen rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit.
Mein Vertrag verlangt drei Jahre Prognose. Ist das schlecht?
Es ist deutlich strenger als heute üblich. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt vor allem von deiner Gesundheit ab.
Wer stellt die Prognose?
Deine behandelnden Ärzte liefern die Grundlage. Der Versicherer kann zusätzlich eigene Gutachten einholen.
Verliere ich Geld, wenn ich die BU zu spät melde?
Bei vielen neueren Verträgen nicht, bei älteren teilweise schon. Deshalb: früh melden.